
Im Übernahmeprozess des Düsseldorfer Stahlhändlers und Metallverarbeiters Klöckner & Co (Klöco), der vom amerikanischen Stahlkonzern Worthington gekauft wird, hat sich die Klöco-Führung am Mittwoch neutral zu dem laufenden Delisting-Erwerbsangebot der Amerikaner positioniert. „Nach sorgfältiger Prüfung der Angebotsunterlage sind der Vorstand und der Aufsichtsrat von Klöckner & Co unabhängig voneinander zu der Überzeugung gelangt, dass sie den Aktionären weder die Annahme noch die Ablehnung des Angebots empfehlen können“, heißt es in einer Mitteilung.
Worthington hatte schon im Juni bekannt gegeben, Klöco von der Börse nehmen zu wollen, nachdem sich der Konzern rund 62 Prozent der Klöco-Aktien gesichert hatte. Seit dem vergangenen Mittwoch können die verbliebenen Klöckner-Aktionäre nun das Delisting-Angebot mit einer Bargegenleistung von elf Euro je Aktie wahrnehmen, wie Worthington vor rund einer Woche mitgeteilt hatte.
Die Annahmefrist läuft bis zum 12. August. Das Delisting-Angebot ist eine Ausstiegsmöglichkeit für die verbliebenen Aktionäre, bevor die Klöckner-Aktie vom regulierten Markt genommen wird. Es enthält keine Vollzugsbedingungen und wird voraussichtlich unmittelbar mit Ablauf der Annahmefrist wirksam.
Worthington plant Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag
Aktuell notiert das Klöckner-Papier mit 12,30 Euro allerdings ein gutes Stück oberhalb der Offerte. Möglicherweise spekulieren professionelle Investoren darauf, nach dem Delisting noch mehr Geld mit der Aktie erzielen zu können, etwa im Rahmen eines möglichen Squeeze-outs. Verbliebene Klöco-Aktionäre, die ihre Aktien über den 12. August hinaus halten, müssen damit rechnen, dass die Aktie dann kaum noch handelbar ist.
Einen Ausweg böte der mögliche Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags, den Worthington auch schon angekündigt hat. Wird er geschlossen, haben Aktionäre die Möglichkeit, ihre Aktien gegen eine Barabfindung an die Bieterin zu veräußern, allerdings mit dem Risiko, dass die Höhe dieser Abfindung offen ist. „Sie kann höher, aber auch niedriger als die Angebotsgegenleistung ausfallen und wird von einem unabhängigen, gerichtlich bestellten Prüfer geprüft werden“, erklärt Klöco in der Mitteilung.
Delisting „im besten Interesse“
Rein inhaltlich stützt das Klöco-Management die Übernahme durch die Amerikaner, wie auch das Delisting. Vorstand und Aufsichtsrat betrachteten die von Worthington in der Angebotsunterlage geäußerten Absichten im Hinblick auf den weiteren Geschäftsbetrieb von Klöckner & Co „grundsätzlich als positiv“, heißt es in der Mitteilung vom Mittwoch. Auch dass Worthington Klöco von der Börse nehmen will, liege „im besten Interesse“ der Düsseldorfer.
Die Amerikaner hatten Anfang des Jahres angekündigt, Klöco weiter unabhängig von dem aktuellen Vorstand unter Konzernchef Guido Kerkhoff führen zu lassen; auch Entlassungen und Standortschließungen seien nicht geplant, hieß es damals. Früheren Angaben zufolge soll der Wert des Geschäfts bei rund 2,1 Milliarden Euro liegen.
