Im Mai 2026 widersprach der Ökonom Paul Krugman einem weitverbreiteten Bild über Europa: dass der alte Kontinent wirtschaftlich längst im Niedergang sei. Zwei Jahre zuvor hatte das Mario Draghi behauptet, der frühere Chef der Europäischen Zentralbank, als er seinen viel beachteten Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit Europas veröffentlichte.
Krugman rechnete inzwischen in mehreren Beiträgen vor, dass Europa im
Vergleich zu den Vereinigten Staaten sogar recht gut dastehe – je nachdem, wie man misst. Vergleicht man das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf zu konstanten Preisen, ein gängiges Maß für Wirtschaftswachstum, dann sind die USA seit Jahrzehnten deutlich stärker gewachsen als Europa. Vergleicht man aber das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zu aktuellen Kaufkraftparitätspreisen – also wie viel sich Menschen mit ihrem Einkommen hier und dort tatsächlich kaufen können –, dann sieht es diesseits des Atlantiks günstiger aus. Nach diesem Maßstab hält Europa mit den USA mit. Und das, sagt Krugman, sei das eigentlich relevante Maß, wenn man Lebensstandard vergleichen will. Europa solle das mehr würdigen.
