
Zum Abschluss der Weltmeisterschaft bescherten die Fußballfans dem ZDF noch einmal eine Traumquote. 17,362 Millionen Menschen sahen den Endspielsieg der Spanier gegen Argentinien und sorgten für einen Rekordwert für Spiele ohne DFB-Beteiligung. Die spannende Frage nach diesem Finale: Können die deutschen Fußball-Liebhaber auch bei der WM in vier Jahren Spiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schauen?
Pünktlich zum krönenden Abschluss gab die Telekom bekannt, dass sie das Wettbieten um das Turnier 2030 gewonnen hat und alle 104 Spiele nur beim konzerneigenen Pay-TV-Sender Magenta TV gezeigt werden. Ob wieder Rechte für 60 Spiele an ARD und ZDF weiterverkauft werden, ist noch offen.
Telekom kündigt Gespräche an
„Das Modell der Sublizensierung hat sich bewährt, wir werden bald erste Gespräche mit potentiellen Partnern aus dem Markt führen“, sagte Telekom-TV-Chef Arnim Butzen der Deutschen Presse-Agentur. Details wollte der Manager des Bonner Unternehmens noch nicht nennen und antwortete auf die Frage zu den Free-TV-Sendern: „Angaben zur möglichen Aufteilung und zu anderen Details machen wir nicht.“
Immerhin: Sicher ist, dass es auch in vier Jahren WM-Partien im frei empfangbaren Fernsehen geben wird. Das sichert der Medienstaatsvertrag. Das Gesetzeswerk legt in Paragraph 13 unter anderem fest, dass bei einer Fußball-WM „alle Spiele mit deutscher Beteiligung sowie unabhängig von einer deutschen Beteiligung das Eröffnungsspiel, die Halbfinalspiele und das Endspiel“ in einem frei empfangbaren und allgemein zugänglichen Fernsehprogramm laufen müssen.
ARD und ZDF sind auf jeden Fall interessiert. Sie boten bei der Ausschreibung des Weltverbandes FIFA mit, konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Jetzt müssen sie wieder auf Sublizenzangebote setzen. „Wir werden sehen, ob die Telekom auch für 2030 Rechte anbietet, und dann entscheiden, ob und – wenn ja – wie wir uns bemühen“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky auf dpa-Anfrage.
Bisher gute Erfahrungen gemacht
Die bisherigen Erfahrungen mit dem Bonner Konzern beurteilen die öffentlich-rechtlichen Sender positiv. „Die Zusammenarbeit war insgesamt gut, beide Seiten haben ihre Interessen in allen Gesprächen stark vertreten, aber es war immer lösungsorientiert“, sagte Balkausky zur WM 2026. „Vor Ort gab es sehr kollegiale Zusammenarbeit zwischen den Redaktionen und Produktion.“
Wenige Tage vor der Bekanntgabe des neuen Deals der Telekom hatte ZDF-Sportchef Yorck Polus gesagt: „Natürlich ist es eine neue Marktsituation, dadurch dass Magenta dabei ist – noch dazu mit sehr großem PR-Auftritt.“ Es habe sich jedoch gezeigt: „Es gibt ein so großes Interesse am Fußball, dass auch Platz für zwei Anbieter ist, die Öffentlich-Rechtlichen plus Magenta.“
Für die Telekom hatte der strahlende Deutschland-Chef Rodrigo Diehl kurz vor dem WM-Endspiel zwischen Spanien und Argentinien beim konzerneigenen Sender MagentaTV den erneuten Deal mit der FIFA bekannt gegeben. „Jetzt kann ich das bestätigen“, sagte der in Argentinien geborene Manager noch in bester Laune: „Wir haben die Rechte für die WM in 2030 erworben, wir haben das schon unterschrieben. Ich freue mich total auf das, was kommt.“
Gibt es 2030 mehr als 104 Spiele?
Der Vertrag läuft auch beim Turnier in vier Jahren über 104 Spiele, erklärte der Konzern. Auf die Frage, wie es bei einer Aufstockung der Teilnehmerzahl auf 48 Teams und dann vermutlich 128 Spiele aussehe, hat die Telekom noch keine Antwort.
Dass es angesichts der verkündeten Rekordzahlen für die Exklusivspiele der Telekom auch 2030 wieder viele Partien hinter der Bezahlschranke geben wird, ist sicher. 44 Partien liefen in den vergangenen Wochen ausschließlich bei der kostenpflichtigen Telekom-Plattform Magenta TV, darunter zwei Viertelfinals. Telekom-TV-Chef Butzen sprach mit Blick auf die WM 2030 von „zahlreichen exklusiven Spielen“.
Mit dem neuen Vertrag hat sich die Telekom als Pay-TV-Anbieter bei großen Fußball-Turnieren fest etabliert. Sie zeigte über Magenta TV bereits Spiele von zwei Europameisterschaften und hat auch bei der Euro in zwei Jahren in Großbritannien und Irland als einziger Anbieter alle Begegnungen im Programm.
Wie bei den WM-Turnieren 2022 und 2026 sind ARD und ZDF – über verschiedene Konstrukte von Sublizenzen – bei der Euro 2028 Partner des Bonner Unternehmens, das als einziger TV-Anbieter alle 51 EM-Partien live zeigen wird. Ein ähnliches Modell ist für das WM-Turnier in vier Jahren denkbar.
Allerdings sind auch zwei andere Sendergruppen als Free-TV-Partner denkbar. Pro Sieben Sat.1 und die RTL-Gruppe werden sicher das Gespräch mit der Telekom suchen. „Wir sind grundsätzlich an allen attraktiven Sportrechten interessiert und schauen sie uns an, wenn sie angeboten werden“, teilte RTL auf die Frage nach den WM-Rechten für 2030 mit. Die nächste WM ist für TV-Sender attraktiver als das nun beendete Turnier in Nordamerika, da es aufgrund der Zeitzonen mehr Partien zur Primetime gibt.
