Nach Angriffen auf Jugendamtsmitarbeiter ruft der Deutsche Landkreistag zur Prüfung von mehr Sicherheitsmaßnahmen auf. »Die Landkreise nehmen diese Gefährdungen sehr ernst«, sagte Sprecher Markus Mempel. An vielen Orten seien bereits umfangreiche Schutzmaßnahmen getroffen worden. Nach der Tat von Stade sei es aber wichtig, dass die Verwaltungen ihre Sicherheitskonzepte erneut überprüfen. Zudem sollten sie auch die Gefährdungslagen gegebenenfalls neu bewerten. »Der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat oberste Priorität.«
Als weitere Sicherheitsmaßnahmen nennt der Landkreistag Zugangskontrollen, geschützte Empfangsbereiche, Sicherheitspersonal, Alarm- und Notrufsysteme und feste Absprachen mit der Polizei. Im Jobcenter gebe es damit bereits langjährige Erfahrungen, sagte Mempel weiter. Auch in Jugend- und Sozialämtern würden Sicherheitsdienste bei schwierigen Terminen oder absehbaren Bedrohungslagen eingesetzt. »Eine absolute Sicherheit wird es in offenen Verwaltungen und sozialen Einrichtungen dennoch nicht geben.«
Angriffe in Finsterwalde und Stade
Nach Einschätzung des Landkreistags, dem Spitzenverband der 294 Landkreise in Deutschland, gehören Aggressionen,
Drohungen und körperliche Übergriffe in vielen Kreisverwaltungen seit Jahren
zum Arbeitsalltag. Davon betroffen seien vor allem Jugendämter, Jobcenter,
Ausländerbehörden, Sozialämter oder Veterinärbehörden. Insbesondere im
Kinderschutz gebe es häufig Konflikte, die sich nicht vorhersehen lassen.
Zuletzt kam es vermehrt zu Angriffen gegen Jugendamtsmitarbeitende. Am Donnerstag dieser Woche bedrohte ein Mann im Jugendamt in Finsterwalde eine Mitarbeiterin und legte Feuer. Ein 35-jähriger Deutscher wurde als Verdächtiger gefasst und kam
in Untersuchungshaft. Der Mann soll brennbare Flüssigkeit dabeigehabt haben.
Vier Menschen mussten laut Polizei wegen Verdachts auf Rauchvergiftung ins
Krankenhaus gebracht werden. Der Landkreis Elbe-Elster setzte einen
Sicherheitsdienst ein.
In Stade in Niedersachsen soll ein 45-jähriger Mann Ende Juni in einer
Mutter-Kind-Wohngruppe sechs Menschen getötet haben.
Drei von ihnen arbeiteten in der Jugendhilfeeinrichtung, drei waren Mitarbeiter des
Jugendamts der Region Hannover.
