Nilpena Station ist eine ehemalige Farm in Südaustralien am Westrand der Flinders Ranges, auf deren kargem Weideland 1985 etwas Spektakuläres zum Vorschein kam: Flächen versteinerten Meeresbodens aus einer Zeit rund elf Millionen Jahre vor dem Anbruch des Kambriums, jenem erdgeschichtlichen Zeitalter, in dem plötzlich alle heute bekannten Tierstämme auftauchten.
Zuvor gab es an Lebensformen, die mit bloßem Auge sichtbar gewesen wären, nur die rätselhaften Ediacara-Wesen. Auf dem Meeresboden von Nilpena saßen sie in großer Zahl, als er vor etwa 550 Millionen Jahren von aufgewirbeltem Sand bedeckt wurde, in dem sie anschließend zu mitunter phantastisch erhaltenen Fossilen versteinerten. Seit 2023 ist die Farm ein Nationalpark.

Die Funde in Nilpena haben weniger die Zahl der bekannten Formen der Ediacara-Fauna vermehrt – etwa hundert Gattungen aus einer Handvoll Fundstätten sind bisher beschrieben – als die Zahl der Individuen einiger Formen. Unter ihnen ist Spriggina floundersi, eine von etwa zehn Gattungen, die nicht ortsfest am Meeresgrund angeheftet waren, sondern bereits in der Lage gewesen sein müssen, sich vom Fleck zu bewegen.
Von ihnen hat ein Team um Scott Evans vom American Museum of Natural History in New York und Mary Droser von der Universitiy of California in Riverside nun an die hundert Exemplare aus dem Nilpena Ediacara National Park oder dem South Australia Museum in Adelaide auf Variation ihrer Körperumrisse untersucht. Wie sie jetzt in Scientific Reports berichten, beobachteten die Forscher dabei in etwa doppelt so vielen Spriggina-Fossilien eine Linkskrümmung ihrer Körper verglichen mit einer Rechtskrümmung. Da es sich bei den Fossilien um Abdrücke der Wesen im darüberliegenden Sediment handelt, muss sich diese Mehrheit dieser Organismen im Moment ihres Todes in einer rechtsherum gekrümmten Haltung befunden haben.
„Das legt nahe, dass Spriggina beim Richtungswechsel eine Richtung gegenüber der anderen bevorzugt hat“, erklärt Evans. „Sie war rechtshändig.“ Körperliche symmetrische Lebewesen, die gleichwohl eine solche Asymmetrie in ihrem Verhalten aufweisen – etwa Hummeln, die Blüten lieber von links anfliegen –, besitzen ein komplexes Nervensystem. „Das könnte also bedeuten“, sagt Evans, „dass Spriggina bereits über ein Nervensystem verfügte, das dem heute bekannter Tiere ähnelte.“
