
Christopher Nolan teilt sich seine Zeit gut ein. Er vergeudet sie beispielsweise nie auf Social Media, denn ein Smartphone besitzt er nicht. Noch nicht einmal per E-Mail soll man den Regisseur erreichen können – die Kommunikation für seine Filmprojekte läuft über seine Frau Emma Thomas, mit der er nicht nur seit über 25 Jahren verheiratet ist und vier Kinder hat, sondern auch kreativ zusammenarbeitet.
Thomas hat von Nolans Debütfilm „Memento“ (2000), die rückwärtserzählte Mörderjagd eines Mannes mit Gedächtnisverlust, über den Oscargewinner „Oppenheimer“ (2024) bis zur aktuellen Homer-Verfilmung „Die Odyssee“ jeden Film ihres Ehemanns als Produzentin begleitet. Sein Privatleben gibt dieses Paar nicht preis, von der Kunst soll kein Klatsch ablenken.
Mit Spiegeln hinter der Kamera
Wer also, wie der 1970 in London geborene und mittlerweile in Los Angeles lebende Regisseur, seine Aufmerksamkeit nicht vom Internet ablenken lässt, findet die Zeit, technische Neuerungen zu erfinden. Um die Irrfahrten des Odysseus möglichst effektiv für die Kinoleinwand zu übersetzen, ließ Nolan mit Kameras drehen, die auf das übergroße IMAX-Format spezialisiert waren. Leider sind diese Geräte nicht nur äußerst unhandlich, sie machen obendrein einen solchen Lärm, dass die Schauspieler kaum ihre eigenen Gedanken hören, wenn sie davor auftreten müssen.
Der findige Brite entwickelte gemeinsam mit seinem Kameramann Hoyte van Hoytema eine schalldämpfende Ummantelung. Deren Nachteil: Die Dinger waren nun so dick, dass die Schauspieler ihre Kollegen für eine Szene kaum noch daneben sehen konnten. Nolan fand auch dafür einen Trick. Er ließ geschickt Spiegel aufstellen, um den Darstellern die Interaktion zu ermöglichen.
Die Schauspieler bleiben ihm treu. Wer einmal mit Nolan gearbeitet hat, kommt gern fürs nächste Filmprojekt wieder. Elliot Page spielte in seinem Traumsequenzen-Thriller „Interception“ mit, Anne Hathaway im Science-Fiction-Drama „Interstellar“ und dem Batman-Film „The Dark Knight Rises“, und Robert Pattinson gab im Entropie-Spionage-Abenteuer „Tenet“ die Hauptrolle. Für den Odyssee-Film sagten sie alle zu, noch bevor sie das Drehbuch gelesen hatten.
Für das las Nolan jede Odyssee-Übersetzung, die er in die Finger bekam. Als Urtext bezeichnete er Homers Epos unlängst: „Es ist in allem, was ich bislang gemacht habe.“ Das mag vor allem für die Liebe zu komplexen Zeitstrukturen gelten. Schon Homer wusste seine Handlungsstränge elegant zu verflechten, der Brite tut es ihm nun gleich. Sein Held muss dabei feststellen, dass Krieg mit dem Niedergang der Zivilisation einhergeht.
