Der Kabarettist Uwe Steimle hat Kritik an seinem Auftritt bei einer AfD-Veranstaltung in Sachsen-Anhalt zurückgewiesen. »Ich hab mir nichts vorzuwerfen«, sagte Steimle dem AfD-nahen Internet-Radiosender Kontrafunk. Er versuche, mit den Mitteln der Satire aufzurütteln. Er sei »ein alter Linker« und lasse sich nicht zu einem »neuen Rechten« machen, sagte der Kabarettist. Von einer Wiedervereinigung könne zudem nicht die Rede sein: Viele Entscheidungsträger und Immobilienbesitzer kämen aus dem
Westen, sagte Steimle. »Wir sind ein besetztes Land. Und das ist eine Schande.«
Auf der AfD-Veranstaltung in Dessau-Roßlau hatte Steimle, der als Gast geladen war, am Dienstagabend die DDR-Nationalhymne angestimmt. Der AfD-Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, und AfD-Bundesvorsitzender Tino Chrupalla sangen mit. Daran gab es breite Kritik.
Anwalt rechtfertigt Gewaltanspielungen
Steimles Anwalt wies zudem Vorwürfe zu Äußerungen über Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) zurück. Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen eingeleitet. Der Anwalt teilte mit, es sei Aufgabe von
Kabarettisten, »den Blödsinn um die Politik künstlerisch zu
verarbeiten«. Dies könne nicht Gegenstand
staatsanwaltlicher Ermittlungen sein. Steimle sei bereit, durch ein
Gespräch mit der Staatsanwaltschaft die aus seinen Auftritten
entstandenen Irritationen auszuräumen.
Auf der AfD-Veranstaltung hatte Steimle indirekt zu Gewalt gegenüber Merz und Merkel aufgerufen. So sagte er über das Porträtbild Merkels, die frühere Kanzlerin habe sich für eine Darstellung im Stehen entschieden, »weil sie ahnt, sie wird bald sitzen«. Weiter sagte er: »Im Moment hängt sie erst mal.« Und wenn der Nagel breche, »dann stellen wir sie an die Wand. Also uns wird schon was einfallen.«
Über den amtierenden Kanzler sagte Steimle: »Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal, wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?« Claus Schenk Graf von Stauffenberg war ein Oberst der Wehrmacht, der für einen Attentatsversuch gegen Adolf Hitler am 20. Juli 1944 bekannt ist.
Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau leitete nach Steimles Auftritt Ermittlungen nach Paragraf 126 des Strafgesetzbuchs ein, in dem es um die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten geht.
Kritik von Stauffenberg-Enkel
An Steimles Auftritt hatte es von vielen Seiten Kritik gegeben. Über die Stauffenberg-Äußerungen zeigte sich der Enkel des
gescheiterten Hitler-Attentäters empört. »Ich bin sprachlos«, sagte Karl Graf von Stauffenberg der Bild-Zeitung. »Das ist
Geschichtsklitterung par excellence.« Sein Großvater habe versucht,
»Recht, Ordnung und Freiheit wiederherzustellen«. Jetzt werde er »in den
Schmutz gezogen«.
Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke kritisierte das Singen der DDR-Hymne und sprach von einer »Verharmlosung der DDR«. Für Opfer des Systems sei »solche Geschichtsvergessenheit unerträglich, keine Satire«, sagte sie der Rheinischen Post. Sachsen-Anhalts Aufarbeitungsbeauftragter Johannes Beleites kritisierte eine »Geringschätzung der Menschen, die für Freiheit und Demokratie ihr Leben riskiert oder lange Haftstrafen in Kauf genommen haben«.
Als Schauspieler wurde Steimle einem breiten Publikum als Kommissar Jens Hinrichs in der Fernsehserie Polizeiruf 110 bekannt. Der MDR beendete 2019 die Zusammenarbeit für die Sendung Steimles Welt, nachdem Steimle mehrfach öffentliche Vorwürfe gegen den Sender gerichtet hatte. Während der Pandemie hatte er sich zudem mehrfach kritisch zu Corona-Maßnahmen geäußert.
Steimle tourt regelmäßig durch den Osten Deutschlands und tritt auch immer wieder in Sachsen-Anhalt auf. Dort wird im September ein neuer Landtag gewählt. Der bei der Veranstaltung in Dessau-Roßlau anwesende Siegmund tritt als Spitzenkandidat für die AfD an. Sie liegt in Umfragen deutlich vor den anderen Parteien.
