Filip Turek ist für schnelle Autos und deftige Sprüche bekannt. Der tschechische Außenminister Petr Macinka hatte den großgewachsenen Blonden einst zur „Ikone“ seiner Partei „Motoristé sobě“ erklärt, deren Namen man mit „Autofahrer unter sich“ übersetzen kann.
Die Motoristen waren 2022 erstmals im Prager Kommunalwahlkampf mit einer Kampagne gegen zu viele Fahrradwege angetreten und hatten sich später dem Kampf gegen die Klimapolitik der EU verschrieben. Richtig Zug bekam die Partei aber erst, als Macinka den als Auto-Influencer bekannten Turek zu sich holte.
Folgenreiche Kollision
Doch könnte Tureks politische Karriere nun endgültig am Ende sein. Am Montag kollidierte sein schwerer Geländewagen in der Prager Innenstadt mit einem Krankenhausfahrzeug, das mit Blaulicht und Sirene „biologisches Material“ transportierte. Das Blaulichtfahrzeug überschlug sich, der Fahrer wurde verletzt und umstehende Passanten wurden nur durch Glück nicht getroffen.
Nun sind Unfälle mit Einsatzfahrzeugen keine Seltenheit, und der Geländewagen war bei Grün unterwegs. Doch kurz darauf wurde ein Überwachungsvideo öffentlich, auf dem zu sehen ist, wie der schwarze Mercedes G 500, mit dem sich Turek gerne in sozialen Netzwerken zeigt, vor der Kreuzung am dichten Verkehr vorbeizieht, indem er eine durch eine Baustelle abgetrennte Linksabbiegerspur nutzt. An der Kreuzung zieht der Wagen dann plötzlich nach rechts, um doch weiter geradeaus zu fahren. Dann kommt es zur Kollision.
Auf einem weiteren Video ist zu sehen, wie sich das Einsatzfahrzeug überschlägt. Nach einigen Momenten kommt dann ein blonder Mann mit hellem Anzug und Tureks Statur vom Geländewagen her zur Unglücksstelle gelaufen.
Turek ist in der Tschechischen Republik schon lange umstritten. Vor seinem Eintritt in die Politik hatte er sich in den sozialen Netzwerken einen Namen gemacht, indem er seine Sammlung teurer Sportwagen präsentierte, sich in Rennfahrermontur oder mit NS-Devotionalien ablichten ließ und über alles „Woke“ und „Grüne“ herzog.
Unterwegs mit Tempo 200
Dass er Verkehrsregeln nicht allzu streng auslegt, zeigte sich schon, als er ein Bild seines Tachos bei Tempo 200 hochlud und später zugeben musste, dass die Aufnahme nicht auf einer deutschen Autobahn entstanden war, sondern zu Hause in der Tschechischen Republik bei normaler Geschwindigkeitsbegrenzung.
Doch Turek hat weiter viele Fans. Nach dem Einzug ins Parlament wollte der blasse Macinka seinen blonden Posterboy eigentlich sogar zum Außenminister machen. Dann kamen allerdings Turek zugeschriebene Social-Media-Posts ans Licht, die teils rassistische, homophobe und frauenfeindliche Kommentare enthielten.
Turek zeigte sich reumütig und führte einige Postings auf „Dummheiten“ und seinen „schwarzen Humor“ zurück. Bei anderen bestritt er seine Autorenschaft. Macinka versuchte, seine „Ikone“ zumindest als Umweltminister durchzusetzen. Doch Präsident Petr Pavel, der nie ein Freund von Andrej Babiš’ Rechtsaußenkoalition gewesen war, schloss kategorisch aus, Turek zum Minister zu ernennen. Dem blieb nur das Amt eines Regierungsbeauftragten für Klimapolitik und den Green Deal.
Nach der Kollision forderte die Opposition umgehend Tureks Rücktritt. Am Dienstag ließ auch Babiš seinen Beauftragten fallen. „Sollte sich die Situation zugetragen haben, wie es auf den Aufnahmen aussieht“, müsse Turek Verantwortung übernehmen, teilte Babiš mit. „Es wäre beinahe zu einer viel größeren Tragödie gekommen.“ Am Dienstagabend gab Turek schließlich selbst bekannt, dass er seine Funktionen ruhen lasse. Sollte er in der Sache für schuldig befunden werden, wolle er sein Amt abgeben.
