Was bisher vor allem Fachleute für Atommüll interessierte, könnte schon bald eine spannende Renteninformation für 35 Millionen Arbeitnehmer sein: Der Kenfo – Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung – hat im vergangenen Jahr eine Rendite von 6,2 Prozent mit seinen Kapitalanlagen erzielt. Im ersten Halbjahr 2026 schaffte er trotz der Verwerfungen infolge des Irankriegs sogar 7,9 Prozent. Das gab die Vorstandsvorsitzende dieses vor neun Jahren eingerichteten Staatsfonds, Anja Mikus, am Mittwoch bekannt.
Sie zeigt sich offen dafür, künftig auch die Anlage für eine kapitalgedeckte Altersvorsorge zu übernehmen, wie sie die Regierungskoalition unter anderem mit der Kapitalrente plant. „Wir haben jetzt die Plattform dafür und wir haben die Kompetenz dafür“, sagte Mikus auf der Pressekonferenz zur Vorstellung der Kenfo-Jahresbilanz. „Der Staat kann das nutzen.“ Sie stellte dafür eine Verwaltungskostenquote von nicht mehr als 0,1 Prozent in Aussicht.
Ob Endlager oder Rente – langfristige Anlagestrategie ist gefragt
Ob es so kommen soll, wird die schwarz-rote Regierung im Herbst politisch entscheiden. Die Rentenkommission hatte den Kenfo in ihrem Reformkonzept von Ende Juni jedenfalls explizit als geeignete Adresse für die geplante Zusatzrente nach schwedischem Vorbild genannt. Arbeitnehmer würden dann, neben dem Beitrag für die Umlagerente, mit einem Zusatzbeitrag von zwei Prozent des Bruttolohns für eine Kapitalrente sparen.
Bisher hat der Fonds einen ganz anderen Zweck – der sich aber ähnlichen Aufgaben stellt: Er soll eine langfristig orientierte Kapitalanlage mit großem Portfolio verlässlich steuern. Der Kenfo wurde 2017 eingerichtet, um die damals festgelegten Ablösezahlungen der Kernkraftwerksbetreiber für die Lagerung von Atommüll zu verwalten. Die Unternehmen zahlten einmalig 24,1 Milliarden Euro ein und wurden dafür von weiteren Ansprüchen befreit. Nun soll der Kenfo das Geld so vermehren, dass es für diesen Zweck mit einem Zeithorizont bis zum Jahr 2100 reicht. Seit 2017 hat er schon 5,3 Milliarden Euro für Entsorgungskosten an das Bundesumweltministerium überwiesen, wie die Bilanz zeigt. Dank guter Renditen stieg sein Vermögen trotzdem bis Ende 2025 auf 25,6 Milliarden Euro. Im Schnitt erzielte er eine jährliche Rendite von 6,1 Prozent.

Und wenn die Börsen einbrechen? „Chance auf Kaufkurse!“
Zwar gab es in einzelnen Krisenphasen auch Rückschläge, im Corona-Jahr 2022 schrumpfte das Fondsvermögen um zehn Prozent. Mikus sieht darin aber „keine Katastrophe“. Schwankungen seien Ausdruck einer natürlichen Marktbereinigung und für Fonds mit langfristigem Anlageziel immer auch eine gute Chance, günstige Kaufkurse zu erwischen, erklärte sie. Zuletzt hatte der Kenfo je rund 40 Prozent seiner Anlagen in Aktien und Anleihen investiert, beide breit gestreut über Länder und Risikoklassen hinweg. Knapp 15 Prozent steckten in nicht börsennotierten Anlagen, von Immobilien bis Private Equity. Diese Quote soll künftig in Richtung von 29 Prozent steigen.
Kapital für die Altersvorsorge zu managen, ist Mikus zufolge im Kern sogar etwas einfacher als die aktuelle Aufgabe des Kenfo. Denn er erhält, anders als ein Rentenfonds, keine laufenden Einzahlungen, sondern muss mit dem einmaligen Startkapital alle nötigen Auszahlungen bestreiten. Um in der Anlagestruktur umzuschichten, müsse er stets Papiere verkaufen. Ein Rentenfonds hingegen erreiche solche Justierungen meist allein durch die Anlage der neu hereinkommenden Beiträge, erläuterte sie.
Eine Erfolgsbedingung gelte indes in allen Fällen: „Wir sind kein Förderfonds.“ Anders gesagt: Politik müsse respektieren, dass das anzulegende Geld Rendite bringen soll und nicht anderweitig zur Verfügung steht.
