Mit dem jüngsten Sparpaket der Gesundheitsministerin, über das am Freitag im Bundestag abgestimmt worden ist, werden die finanziellen Spielräume für Kliniken in Deutschland absehbar kleiner. Alexandra Weizel, Geschäftsführerin des Frankfurter Sankt-Katharinen-Krankenhauses und nach eigenen Worten Berufsoptimistin, hofft dennoch auf spätere Änderungen am Gesetz, das vor allem die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen stabil halten soll.
Weizel hat sich einer Petition der 244 katholischen Krankenhäuser in Deutschland angeschlossen, die unter dem Slogan „Krankenhaus – Lichter aus“ vor den Folgen des neuen Gesetzes warnt und zu einer grundlegenden Korrektur aufruft. „Die frei gemeinnützigen Kliniken werden die ersten sein, denen das Geld ausgeht, weil sie weder vom Bund noch vom Land, der Kommune oder einem Großkonzern unterstützt werden.“ Diese Krankenhäuser werden von gemeinnützigen Trägern wie Kirchen, Stiftungen oder Wohlfahrtsverbänden unterhalten und arbeiten nicht in erster Linie gewinnorientiert. Das Sankt-Katharinen-Krankenhaus ist katholisch, doch dahinter steht nicht die katholische Kirche, sondern der Orden der Katharinenschwestern. „Aber der Orden subventioniert uns nicht“, sagt Weizel. Da schmerze es schon, wenn kommunale Häuser wie das Klinikum Höchst von der Stadt oder die Uniklinik Frankfurt vom Land mit Millionenbeträgen unterstützt würden: „Wir müssen unser Geld selbst verdienen.“

Und es ist nicht das einzige Haus, das genau rechnen muss. Weizel weist darauf hin, dass mittlerweile zwei Drittel aller Kliniken in Deutschland in die roten Zahlen gerutscht seien. Dafür macht sie unter anderem strukturelle Gründe verantwortlich: „Wir bekommen vom Gesetzgeber Pflegeuntergrenzen vorgeschrieben, das heißt eine Mindestzahl von Personal in bestimmten Bereichen, aber es wird immer schwieriger, die zu finanzieren.“ Das Katharinen-Krankenhaus sei an den Tarif gebunden, „aber tarifliche Lohnsteigerungen werden uns nach dem neuen Sparpaket nur noch teilweise erstattet“. Die Klinikleitung müsste dann einen Teil der Gehälter aus eigenen Mitteln bezahlen.
Die große Zahl der defizitären Häuser wird auch als Argument herangezogen, dass es ein Überangebot an Kliniken gebe – insbesondere in Metropolen. Weizel verweist auf die jüngsten heißen Wochen im Juni, als die Frankfurter Kliniken besonders viele Hitzepatienten zu versorgen hatten. Wenn die vorhandenen Betten für Notfälle belegt sind, können sich Krankenhäuser beim Rettungsdienst abmelden und werden dann nicht mehr angefahren. Die ebenfalls überlastete Branddirektion musste den Kliniken der Stadt dennoch Patienten zuweisen, weil alle überlastet waren. „Ich hatte hier weinende Mitarbeiter, die ganz verzweifelt waren“, erinnert sich Weizel. „Wir sind Helfer und Heiler, wir weisen niemanden ab. Aber irgendwann ist eine Grenze erreicht.“ Die geschlossene Notaufnahme im Krankenhaus Sachsenhausen habe sich in dieser Lage ebenfalls bemerkbar gemacht.
Immer wieder neue Änderungen an den Reformgesetzen
Es sind vor allem die vielen Volten und Änderungen an den diversen Reformgesetzen, die die Fachfrau und Ärztin auf die Barrikaden treibt. „Mitten im Spiel werden ständig die Regeln geändert.“ Das betrifft Dokumentationspflichten und Abrechnungsvorgänge, Ausbildungsinhalte und Zusatzqualifikationen, die Mitarbeitern auferlegt werden.
Trotz aller Kritik stehen Weizel und Thomas Anderson, der neue Pflegedirektor im Haus, hinter jenem Teil der Krankenhausreform, die auf die Konzentration bestimmter Operationen in spezialisierten Behandlungszentren zielt. Das könnte auch Patienten die Unsicherheit nehmen, wohin sie sich zum Beispiel im Falle einer besonderen Knie-OP wenden sollten, sagt Weizel.
„Die Verlierer werden die Patienten sein“
Die Folgen der Kürzungen im Gesundheitssystem, sei es im Krankenhaus, in der Pflege oder im ambulanten Sektor, müsse am Ende der Patient tragen. „Kein Politiker wagt zu sagen, dass wir angesichts dieser Kürzungen die Leistungen des Gesundheitssystems, wie wir es bisher kannten, nicht mehr halten können. Das macht mir Sorge. Und die Verlierer dabei werden die Patienten sein.“
Im Katharinen-Krankenhaus habe sie mit Pflegerinnen schon deren vierzigstes Dienstjahr gefeiert, sagt Weizel. So eine langjährige Zugehörigkeit werde jedoch generell immer seltener, fügt Anderson hinzu. Im Schnitt blieben heute Pflegekräfte nach ihrer Ausbildung sieben Jahre „am Bett“. Er sieht aber voraus, dass die Zeitspanne geringer werde. Weil einerseits der Beruf fordernder werde und andererseits Jüngere andere Prioritäten setzten: „Als die Gehälter für Pflegekräfte deutlich gestiegen waren, fragten kurz darauf jüngere Kollegen, wie sie die Arbeitszeit reduzieren könnten. Damit hatten wir nicht gerechnet“, berichtet Weizel von den Auswirkungen der sprunghaften Tariferhöhungen der vergangenen Jahre.
Andererseits seien zu der reinen Pflege am Patienten aber auch Belastungen hinzugekommen, die es vor zehn bis 15 Jahren noch nicht gegeben habe. „Die Anspruchshaltung der Patienten und insbesondere der Angehörigen ist deutlich gestiegen“, sagt Weizel. Da werde wenig Verständnis gezeigt, wenn auf die Einhaltung der Besuchszeiten und die Anwesenheit nur in kleinen Gruppen gepocht werde. „Manche filmen dann sogar die Arbeit der Pflegekräfte.“
In der Zukunft, sagt Anderson, werde es wichtiger denn je werden, Mitarbeiter an ein Haus zu binden. Nicht nur mit Gehaltssteigerungen, sondern mehr noch mit besseren Rahmenbedingungen: „Wir müssen sie insgesamt stressresistenter machen.“
