Es sollte eine nette Wanderung zum Gipfel werden: Christina Bluhme war am 5. Juli bereits seit drei Stunden mit ihrem Sohn und zwei Hunden in den schottischen Highlands unterwegs, als Tokyo plötzlich anfing zu schwanken, als wäre sie betrunken. Schließlich konnte Tokyo, eigentlich ein sehr fitter und aktiver Arbeitshund, gar nicht mehr laufen. Ein Verhalten, das sich Bluhme, die seit 25 Jahren als Hundetrainerin arbeitet, nicht erklären konnte, wie sie der Associated Press erzählte. „Es war eine sehr beängstigende Erfahrung.“ An Drogenkonsum dachte sie nicht.
„Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht“
Als es auch noch anfing zu regnen und die Temperatur auf fünf Grad fiel, beschloss Bluhme umzukehren. Der Marsch auf den 1345 Meter hohen Gipfel des Ben Nevis wurde abgeblasen. „Ich sagte: Hör zu, wir müssen umkehren und sie hinunterbringen“, erinnerte sich Bluhme am Montag. „Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht.“
Der Sohn rief die Polizei, die aber nicht sicher gewesen sei, ob sie ein Rettungsteam schicken könne. Zum Glück war das „Lochaber Mountain Rescue Team“ in der Nähe – ein Trupp ehrenamtlicher Bergretter in der Region Lochaber, die von ihrem Einsatz auf Facebook berichteten. Sie hatten weiter oben am Berg einen verletzten Wanderer versorgt, der mit einem Hubschrauber weggeflogen worden war. Sie hatten also die Hände frei, legten die 25 Kilogramm schwere Hündin auf eine Trage und trugen sie rasch den steilen, rutschigen und felsigen Weg hinunter. Der rettende Abstieg dauerte rund eine Stunde, dann erreichten sie den Ausgangspunkt des Wanderwegs. Dort wartete bereits ein Tierarzt, den die Polizei verständigt hatte.
Für die Ärzte sah es zunächst nach einer Verletzung an der Wirbelsäule aus. Doch Tokyo verlor immer wieder das Bewusstsein, was zu der Erkenntnis führte, dass sie einem Nervengift ausgesetzt gewesen sein musste. Nach Rücksprache mit einer Giftnotrufzentrale stellte sich heraus, dass ihre Symptome genau zu einer Cannabisvergiftung passten.
Tokyo bekam Aktivkohle, Bluhme eine Tierarztrechnung über 1100 Euro. „Am nächsten Tag war es, als wäre nie etwas passiert“, sagte Bluhme. „Sie hat sich so schnell erholt – und ich bin diejenige, die noch ein bisschen angeschlagen ist.“
Klingt nach einem schlimmen Trip.
