
Die Vereinigung der Auslandskorrespondenten in China (FCCC) hat ihre jährliche Umfrage zur Lage der Berichterstatter vorgestellt. Sie zeichnet ein weiterhin düsteres Bild. In der „FCCC-Umfrage zur Medienfreiheit 2025“ geben 94 Prozent der Befragten an, dass die Arbeitsbedingungen für Journalisten in China „normalerweise“ oder „fast nie“ internationalen Standards entsprächen. Sowohl sie selbst als auch ihre chinesischen Kollegen und Quellen gerieten weiter in Bedrängnis. Damit festigt sich der Trend, der sich bereits in den letzten Jahren abzeichnete.
Zwischen Februar und März 2026 antworteten 89 der 176 Mitglieder auf die Fragen des „Foreign Correspondents’ Club of China“ (FCCC). Obwohl dieser im Jahr 1981 auf Wunsch der chinesischen Regierung gegründet wurde, steht er selbst unter Druck, wie der Bericht erwähnt. Die chinesischen Behörden warnten Korrespondenten ausdrücklich davor, dem Club beizutreten oder eng mit ihm in Verbindung zu stehen. Ein Korrespondent aus Peking erwähnt, eine Mitgliedschaft zähle zu den „No-Gos“, weil der FCCC in China als illegale Organisation gelte.
Fast die Hälfte der Korrespondenten gibt an, dass Themen „sensibel“ geworden seien, die es bislang nicht waren. Als zunehmend heikler wird die Berichterstattung über Wirtschaftsthemen wahrgenommen. Betroffen sind Themen wie das Wirtschaftssystem Chinas im Allgemeinen und auch einzelne Aspekte, wie Seltene Erden oder die Halbleiterindustrie. Ein Auslandskorrespondent berichtet von dem Eindruck, dass den Menschen in China fast jedes Thema sensibel vorkomme und nicht mehr nur die traditionellen Tabuthemen wie Taiwan, Tibet, Xinjiang oder die Kritik an Präsident Xi Jinping als Gefahr eingestuft werden.
Bürokratisches Labyrinth führt ins Nirgendwo
Bei diesen sind die Einschränkungen weiterhin ausgeprägt. Bei Besuchen „eingeschränkter Regionen“ wie Xinjiang, Tibet oder in nordkoreanischen und russischen Grenzgebieten berichten jeweils mindestens zwei Drittel der Korrespondenten von „intensiver Überwachung und Schikanierung“. In der Mongolei sind es sogar 89 Prozent. Allein um Genehmigungen für einen solchen Ortsbesuch oder gar ein Interview zu erhalten, müsse man bürokratische Labyrinthe durchlaufen, die nicht selten ins Nirgendwo führen. Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, „mindestens einmal entweder von der Polizei oder anderen Beamten behindert worden zu sein“. Stundenlange Befragungen und Schikanen durch uniformierte oder zivile Polizisten gehören zum Alltag und werden mittlerweile als zur Normalität gehörig beschrieben. Fast jeder zehnte Korrespondent gab an, „grob behandelt oder körperlicher Gewalt ausgesetzt worden“ zu sein. Der Bericht des FCCC zeigt auch den Psychoterror auf, etwa wenn Korrespondenten und Mitarbeiter Dutzende Male am Tag angerufen und Nachfragen zur Berichterstattung gestellt werden.
Ebenso stark sind die lokalen Quellen von den Einschränkungen betroffen. Rund ein Drittel der Korrespondenten gab an, dass eine ihrer Quellen „schikaniert, festgenommen, zu Vernehmungen vorgeladen“ oder „mit rechtlichen Schritten bedroht“ worden sei. Chinesische Kollegen, die fast in jedem Büro beschäftigt sind, würden unter Druck gesetzt, wie 40 Prozent der Korrespondenten bestätigen.
Auch die allgemein bekannten Einschränkungen wie Visa-Verweigerung, Chat-Überwachung, Bespitzelung oder die eingeschränkte Verfügbarkeit von Internetdiensten und Informationen bereiten weiterhin Probleme. Hinzu tritt, dass immer weniger Chinesen mit ausländischen Medien ins Gespräch kommen wollen – aus Angst vor den Konsequenzen. Beunruhigend sei vor allem die Kontinuität, mit der verschiedenste Stellen Hand in Hand an der Sabotage von Berichterstattung arbeiten.
