Berlins Finanzsenator Stefan Evers ist neuer Spitzenkandidat der Landes-CDU für die Abgeordnetenhauswahl Ende September. Der Landesvorstand wählte den 46-Jährigen am späten Nachmittag einstimmig. Evers übernimmt auch die Parteiführung als kommissarischer Landesvorsitzender, wie der CDU-Landesverband Berlin auf X mitteilte.
Die CDU-Kreisvorsitzenden hatten Evers am Freitag als Spitzenkandidaten vorgeschlagen. Zuvor hatte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner seinen Rückzug von der CDU-Spitzenkandidatur erklärt.
Wegner zog mit seinem Rücktritt die Konsequenzen aus einer monatelangen Debatte um
widersprüchliche und falsche Angaben zu seinem Krisenmanagement nach
einem mehrtägigen Stromausfall im Januar.
Wegners Stellvertreter
Evers bestätigte seine Kandidatur und bedankte sich bei der Berliner CDU für das ihm entgegengebrachte Vertrauen. »Die CDU Berlin ist gut aufgestellt und steht geschlossen zusammen«, sagte er.
Evers ist in Berlin derzeit Finanzsenator und in Personalunion
Kultursenator. Außerdem ist der 46-jährige gebürtige Westfale Wegners Stellvertreter als Bürgermeister und
CDU-Landesvorsitzender. Seine Wahl zum kommissarischen Landesparteichef erfolgt auf einem Parteitag.
»Blick fürs Wesentliche«
Die bisherige Generalsekretärin Ottilie Klein
gibt ihr Amt auf. Auf Vorschlag von Evers folgt ihr der
Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der CDU
Charlottenburg-Wilmersdorf, Lukas Krieger, als kommissarischer
Generalsekretär. Auch diese Entscheidung sei einstimmig erfolgt, hieß
es.
»Die Situation, in der wir stehen, ist keine
einfache«, sagte Evers nach seiner Wahl. »Gleichzeitig sind wir uns
unserer Verantwortung für diese Stadt bewusst.« Wegner habe sich von der
Spitzenkandidatur zurückgezogen, um den Blick für das Wesentliche
freizugeben. »Dafür wollen wir gemeinsam die CDU Berlin bestmöglich aufstellen«, sagte Evers.
Ein Brandanschlag hatte im Januar einen tagelangen Stromausfall in
Teilen Berlins
verursacht. Wegner stand früh in der Kritik, weil er inmitten der Krise
privat Tennis gespielt hatte. Mittlerweile steht fest, dass er bei
seinen Angaben zur Krisenkommunikation zudem falsche Angaben gemacht
hat. So behauptete er etwa, ab frühmorgens durchgehend telefoniert zu
haben. Tatsächlich
soll er am Tag des Vorfalls am Vormittag keine Telefonate geführt,
sondern nur SMS verschickt haben.
