
Kommunikativ zeigt sich die Deutsche Bahn gerne auf der Höhe der Zeit. Zum Wochenbeginn überraschte der Staatskonzern mit der Nachricht, seine
Werbeagenturen neu aufzustellen. Statt bisher sieben arbeiten künftig fünf „Kreative“ an den Bahnthemen. Es soll im Rahmen des von Bahnchefin Palla ausgerufenen Neustarts vor allem um eines gehen: nämlich den Wandel an konkreten Verbesserungen sichtbar zu machen und auf „emotionale Weise“ zu erzählen.
Nun ist es nicht so, dass es den Kunden der Bahn an Emotionen mangelt. Ganz im Gegenteil: Tag für Tag ärgern sich Millionen Reisende über verspätete oder ausgefallene Züge und über mangelhafte Informationen dazu. Ende vergangener Woche kam ein Ereignis dazu, das selbst der Bahn Wohlgesonnene zweifeln lässt, ob das Unternehmen jemals wieder aufs Gleis kommt. Auf der eben erst generalsanierten Strecke Köln–Hagen ist eine wichtige Brücke über die Wupper marode – mit massiven Auswirkungen auf den Nah- und Fernverkehr.
Nicht einmal einen Tag hat es gedauert
Kann das sein? Eigentlich darf es nicht sein. Denn den Ärger über monatelange Streckenkomplettsperrungen im Rahmen der Generalsanierungen versucht die Bahn mit dem Versprechen abzumildern, danach laufe alles besser, und zwar viel besser. Die Kundschaft profitiere dann von einer verlässlichen Infrastruktur, pünktlicheren Zügen und mindestens fünf Jahren Baufreiheit.
Fünf Jahre? Nicht einmal einen Tag hat es gedauert, bis sich die DB von ihrer Erzählung der „konkreten Verbesserungen“ wieder verabschieden musste. Zugegeben: Die deutsche Infrastruktur ist marode. Zugegeben: Daran sind nicht alle heute Verantwortlichen schuld. Zugegeben: Die betroffene Brücke schien vor einem halben Jahr noch in Ordnung gewesen zu sein.
Alles richtig. Trotzdem überspannt hier ein Unternehmen die Geduld des Publikums. Und das auch deswegen, weil Versprechen abgegeben werden, die allzu schnell nichts mehr wert sind. Vielleicht sollte die DB einfach ihre offensive „Kreativ“-Werbung und -Kommunikation für die nächsten zehn Jahre einstellen und das Infrastrukturproblem im Stillen abarbeiten. Damit ließen sich dreistellige Millionenbeträge einsparen. Das wäre doch ausnahmsweise mal eine wirklich gute Nachricht.
