Im Abwehrkampf gegen Russland kommt ein neuer Großauftrag für die Ukraine zustande. An diesem Montag geben nach F.A.Z.-Informationen das amerikanisch-europäische Unternehmen Auterion und der ukrainische Drohnenproduzent Skyfall bekannt, zügig rund 50.000 Angriffsdrohnen für Kiew zu liefern. Dabei stellt Skyfall die eigentliche Multicopterdrohne vom Typ Shrike her, Auterion rüstet die Geräte mit seinem System Skynode aus. Das besteht physisch aus einer Metallbox, die ein Softwaresystem schützt, welches den Bediener nicht nur gegen Störversuche immun machen, sondern am Ende auch Einsätze mehrerer Drohnen in einem Schwarm ermöglichen soll.
Auterion-Mitgründer und -Chef Lorenz Meier sprach von der größten Partnerschaft der Unternehmensgeschichte. „Sie zeigt, wie der Westen Präzision durch Software skaliert, nicht durch neue Hardware.“ Skyfall-Chef Mykola Makovieiev sagte, die Auterion-Software verwandele „unser Produktionsvolumen in Wirkung auf dem Schlachtfeld“. Skyfall ist einer der wichtigsten Drohnenhersteller der Ukraine.
Schwarmfähigkeit ist aktuell die wohl begehrteste Fähigkeit, wenn es um die Fähigkeiten militärischer Drohnen geht. Gemeint ist damit, dass ein Verbund mehrerer Drohnen weitgehend autonom agiert beim Ausschalten eines vorgegebenen Ziels. Bislang sind in bewaffneten Konflikten wie in der Ukraine vor allem sogenannte „First Person View“-Drohnen im Einsatz, die jeweils von einem Piloten gesteuert werden, der durch eine Kamera im Fluggerät die Lage aus der Ich-Perspektive wahrnimmt.
Wenn die Funksignale zwischen Pilot und Drohne gestört werden, können die meisten Systeme den Ausfall zwar durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Zielanflug kompensieren. Ein weitestgehend autonomer Angriff vieler Drohnen im Verbund stellt jedoch noch eine große Herausforderung dar.

Auterion-Chef Meier ist von den Fähigkeiten seines offenen Systems (Open Source) überzeugt. „Es wird sehr viel über Schwärme geredet, aber außer uns hat bislang noch niemand geliefert“, sagte er der F.A.Z. Im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen schon vom Pentagon beauftragt, für 50 Millionen Dollar KI-gestützte Einheiten für 33.000 Drohnen in der Ukraine zu liefern. Wer den aktuellen Auftrag erteilt hat, legen die Unternehmen nicht offen. Nach Informationen der F.A.Z. kommt er aber wohl aus Deutschland. Über das Volumen ist zunächst nichts bekannt. Die Umsetzung soll laut Meier schnell erfolgen. „Die ersten Drohnen sind schon im Einsatz“, sagte er. Die gesamte Lieferung soll bis zum Herbst abgeschlossen sein.
Auf der Auterion-Plattform könne man die Zahl der Drohnen in einem Verbund fast beliebig erhöhen, sagte Meier. „Wir haben schon 22 Drohnen in einem Schwarm gesteuert und wollen bald auch 50 demonstrieren.“ Aber eigentlich sei man mit fünf Drohnen je Schwarm schon am Limit dessen, was sinnvoll ist. Schließlich gehe es darum, Ziele wie etwa einen Panzer kampfunfähig zu machen, nicht vollständig zu zerstören.
Die nächste Stufe seien deshalb vielmehr Zusammenschlüsse einzelner Schwärme zu koordinierten Superschwärmen, um ganze Frontabschnitte anzugreifen. Er beteuerte, dass dabei die Zielauswahl und der Startbefehl bei allem Trend hin zu Automatisierung auch in Zukunft weiter allein beim Soldaten lägen. „Das ist aus ethischen Gründen sehr wichtig: Die Ziele werden zwar von teilautonomen Systemen erkannt und vorgeschlagen, aber ausgewählt werden sie vom Bediener.“
Bedenken wegen Einfluss aus Washington?
Auterion wurde im Jahre 2017 vom Schweizer Meier und einem Partner in Zürich gegründet und befasste sich ursprünglich mit dem Einsatz von Drohnen in zivilen Industrien. Ähnlich wie der deutsche Wettbewerber Quantum Systems stieg auch Auterion nach dem russischen Überfall auf die Ukraine in die militärische Nutzung ein. Damit ist das Unternehmen schon deutlich länger am Markt als viele der zahlreichen Start-ups in der Rüstungsbranche. Allerdings konzentriert sich Auterion auf die Entwicklung von Software und Plattformen. Im vergangenen Herbst sammelte das Unternehmen, das seinen Sitz mittlerweile in Arlington (USA) hat und München zudem als operativen Standort angibt, in einer Finanzierungsrunde 130 Millionen Dollar ein.
Den Umsatz, der nicht öffentlich ausgewiesen wird, erwartet Meier 2026 bei rund 200 Millionen Euro, was einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr entspräche. Personell sei man mit rund 260 Mitarbeitern sehr schlank aufgestellt, weshalb das Unternehmen profitabel arbeite. Selbst seine Skynode-Pakete lässt Auterion bei Zulieferbetrieben aus der deutschen Autoindustrie fertigen. „Wir haben eine Monster-Skalierung geschaffen. Ich bin extrem stolz auf diese Effizienz“, sagte Meier, der keine konkreten Angaben zu den Gewinnmargen machen will.
Mit Branchengrößen wie Lockheed Martin und Rheinmetall hat Auterion Partnerschaften auf beiden Seiten des Atlantiks. Der starke USA-Bezug wirft aber die Frage nach dem möglichen Einfluss der amerikanischen Regierung auf. Spätestens das mittlerweile wieder aufgehobene Lieferverbot für die leistungsstärksten KI-Systeme von Anthropic außerhalb eines kleinen amerikanischen Zirkels hat viele Europäer tief beunruhigt.
Meier versucht, die Sorgen zu zerstreuen. „Die Systeme, die wir in die Ukraine liefern, fallen unter die deutsche Exportkontrolle.“ Rechtlich habe man getrennte Systeme geschaffen. „Wir haben ein separates Team in Amerika und entwickeln einen Teil unserer Software doppelt“, erklärt er. Anders gehe das heutzutage nicht mehr. Die Folgen für Effizienz und Kosten seien dabei überschaubar. Der weitaus größte Teil der Produkte falle unter Dual-use-Bestimmungen, stamme also aus dem zivilen Sektor und sei deswegen unproblematisch.
