
Zu sehen war der Fernsehmoderator, neben ihm eine – unbekannte – Frau. „Günther Jauch Kuschel-Auftritt beim Opernball“, lautete die Bildunterschrift. Wer hat da „gekuschelt“? Wurde „gekuschelt“? Mitnichten, hält Jauchs Anwalt Christian Schertz fest. Jauch sei allein zum Dresdner Opernball gegangen, „für eine Sekunde“ hätten sich zwei Frauen für ein Foto zu ihm gestellt. „die aktuelle“ schnitt eine von den beiden ab, beließ die andere im Bild und hatte ihre Schlagzeile.
Das sei eine Meinungsäußerung, führte „die aktuelle“ ins Feld, es handle sich um eine „mehrdeutige, wertende Aussage im Sinne einer Interpretation“ und „boulevardeske Überhöhung“, und meinen werde man ja noch dürfen. Das Oberlandesgericht Karlsruhe sah es anders: Mit der Bezeichnung „Kuschel-Auftritt“ werde eine Tatsache behauptet, nämlich nahegelegt, dass Jauch und die Unbekannte gemeinsam zum Ball gegangen seien, was nachweislich nicht der Fall war.
Die Klatschblätter können von Jauch nicht lassen
War also nichts mit der vermeintlichen Enthüllung über Günther Jauch. Schon wieder nicht, muss man sagen, denn derlei erfundene oder zusammengedichtete Geschichten finden sich in der Boulevardpresse seit Jahrzehnten. Mit den darauf folgenden Gerichtsentscheidungen könnte man Bände füllen. Die Klatschblätter können von Jauch nicht lassen und beißen sich an ihm die Zähne aus, weil er sein Privatleben eisern verteidigt und man über den Privatmenschen Jauch, der als Journalist und Moderator in der Öffentlichkeit steht und Popularität genießt wie kaum ein Zweiter – wenig weiß.
Dabei ist er selbst von Neugierde getrieben und will seinerseits von anderen schon recht viel wissen. Das sieht man, wenn er in seiner RTL-Show „Wer wird Millionär?“ die Kandidaten vor sich sitzen hat. Vordergründig geht es um die Fragen, deren richtige Beantwortung jemanden im besten Fall reich macht. Den Grundton aber setzt Jauch im Dialog mit seinem Gegenüber, mit Frau und Herrn Jedermann, denen er Bekenntnisse nicht nur allgemeiner Art entlockt.
Mehr als ein Vierteljahrhundert „Wer wird Millionär?“
Das macht den Reiz der Show aus, die Jauch seit mehr als einem Vierteljahrhundert moderiert und sich derart anverwandelt hat, dass RTL sie getrost unter dem Titel „Die Sendung mit dem Jauch“ ins Rennen schicken könnte – Sach- und Lachgeschichten mit dem Moderator, der längst nicht immer alles besser weiß.
Gestartet mit einem sehr mäßigen Abitur (das erwähnt er immer wieder), versuchte es der in Münster geborene Jauch mit einem Jurastudium, brach dieses ab, ging an die Deutsche Journalistenschule, studierte Politik und Geschichte und fing als Sportmoderator und Politikjournalist beim Bayerischen Rundfunk im Radio an. Die Initialzündung seiner Karriere war die Zusammenarbeit mit Thomas Gottschalk bei der „BR3-Radioshow“ in den Achtzigerjahren, die ihren Reiz zum einen Gutteil aus dem Odd-Couple-Gefrotzel der beiden bezog.
Die Sternstunde des umgefallenen Tors
Bei ARD und ZDF erschien Jauch in dieser Zeit als Moderator verschiedener Shows auf dem Bildschirm, beim „aktuellen Sportstudio“ des ZDF tauchte er auf und spielte sich am 1. April 1998 mit Marcel Reif bei der Übertragung des Champions-League-Spiels Real Madrid gegen Borussia Dortmund, bei dem vor dem Anpfiff ein Tor umfiel, 76 Minuten lang kongenial die Bälle zu („ein Tor täte dem Spiel jetzt gut“), bis die Partie endlich anfing.
Bei dem Magazin „stern TV“ von RTL, das er 1990 übernahm und durch das er bis 2011 führte, reifte Jauch zum Showsportpolit-Allrounder, erlebte aber auch das dunkelste Kapitel seiner journalistischen Karriere: Der als „Fernsehfälscher“ bekannt gewordene, inzwischen verstorbene Journalist Michael Born hatte bei „stern TV“ reihenweise Fälschungen untergebracht, die das Magazin als vermeintliche Sensationen aufbot. Da machten Jauch und seine Redaktionen keine gute Figur.
Dem Wechsel zur ARD als Polittalker 2011 stand das nicht im Wege, bis 2015 hielt er es am Sonntagabend mit der nach ihm benannten Sendung „Günther Jauch“ im Ersten aus, dann war Schluss. Seither geht es für ihn vor allem bei RTL weiter.
Günther Jauch ist Journalist, Moderator, Winzer (mit dem Weingut von Othegraven), politisch (zum Beispiel gegen Antisemitismus) engagierter Bürger, Mäzen und Wohltäter, Ex-Ministrant und unerschütterlich katholisch (trotz des klerikalen „Bodenpersonals“), seit mehr als zwanzig Jahren verheiratet, hat vier Töchter und genießt bei den Deutschen höchstes Ansehen. Müssen wir mehr wissen? An diesem 13. Juli 2026 wird er siebzig. Mit einer Geburtstagsgala im Blitzgewitter ist eher nicht zu rechnen.
