
Nach der nächsten Gala kletterte „Sachsenking“ Marc Márquez über die Streckenbegrenzung, genoss das Bad in der Menge und ließ sich den Preis reichen. Mit einer aufblasbaren Krone auf dem Helm feierte der Weltmeister mit den Fans seinen zehnten Moto-GP-Sieg beim Großen Preis von Deutschland, bei der Machtdemonstration auf seinem Lieblingskurs holte der Spanier seinen dritten Rekord an einem perfekten Wochenende.
„Ich bin super happy. Es war ein besonderes Wochenende“, sagte Márquez, der bei Volksfeststimmumg und Traumwetter vor fast 100.000 Zuschauern praktisch fehlerfrei über den Traditionskurs flog. „Wenn ich eine Chance auf die Meisterschaft haben will, musste ich attackieren. Und wir haben attackiert.“ Es sei eine „spezielle Zahl“, zehn MotoGP-Siege „hier am Sachsenring zu holen. Danke an die Fans.“
Schnellster im Training am Freitag, Schnellster im Qualifying und im Sprint am Samstag, Schnellster im Grand Prix am Sonntag: Márquez war in Sachsen wieder nicht zu bremsen. Der Spanier fuhr Rundenrekord (1:19,041 Minuten), stieg zum alleinigen Rekordsieger im Sprint (19) auf und zog auch noch mit Giacomo Agostini gleich. Denn der Rekord-Weltmeister aus Italien war der bislang einzige Rennfahrer, der in der Königsklasse zehn Siege auf einer Strecke (Imatra/Finnland) feiern konnte.
Deutscher Nachwuchs macht Hoffnung
Márquez, der klassenübergreifend bei nur einem Start auf dem Kurs bei Hohenstein-Ernstthal nicht gewann (2024), setzte sich auf der Ducati überlegen vor Ai Ogura aus Japan und seinem Landsmann Raul Fernandez (beide Aprilia) durch, im WM-Klassement sprang der 33-Jährige vor der vierwöchigen Sommerpause mit nun 190 Punkten um zwei Positionen auf Rang drei. Es führt weiter Jorge Martín (Spanien/Aprilia/208), Zweiter ist Ogura (194) vor Márquez und Marco Bezzecchi (Italien/Aprilia/186), der sich am Samstag das linke Schlüsselbein gebrochen hatte und nicht starten konnte.
Ein deutscher Pilot war wie schon im Vorjahr nicht dabei, doch der Nachwuchs machte im Rahmenprogramm auf sich aufmerksam. Fynn Kratochwyl raste im Red Bull Rookies Cup auf die Pole, holte in den Rennen die Plätze vier und drei. Im schwächeren Moto4 Northern Cup gab es gleich zwei Dreifachsiege für die deutschen Teenager, der Meisterschaftsführende Robin Siegert hatte jeweils die Nase vorn.
„Die Jungs und Mädels zeigen, dass es bergauf geht“, meinte der frühere Moto2-Fahrer Lukas Tulovic, der mit den Hoffnungen trainiert. Allerdings sind Kratochwyl, Siegert oder auch Anina Urlaß erst 15, können wegen der Altersbeschränkung frühestens 2029 in die WM aufsteigen. Über eine Sonderregelung ginge es 2028, Geduld ist allemal gefragt.
Fünfter Zuschauerrekord in Folge
Kleine Lichtblicke, doch das Rennwochenende war auch ohne Lokalmatadoren in den WM-Läufen wieder ein voller Erfolg. Ein Jahr vor dem Jubiläum, am Sachsenring wird 2027 der 100. Geburtstag gefeiert, kamen über die drei Tage 261.813 Besucher. Zum fünften Mal nacheinander wurde der Rekord gebrochen. Bei der nächsten Auflage soll es erweiterte Tribünenkapazitäten geben.
„Dieser Besucherrekord zeigt einfach, wie sehr der Motorsport hier verwurzelt ist. Die Menschen haben Motoröl und Benzin im Blut, die lieben das“, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Mit Blick auf den Vertrag (bis 2031) sagte der CDU-Politiker: „Wir haben für fünf Jahre Sicherheit, ein Riesending. Wir werden jetzt investieren.“
Der Ticketverkauf für die nächste Auflage hat schon begonnen, der nächste Rekord soll fallen. Und das gilt auch für „Sachsenking“ Marc Márquez. Er wird seinen Thron im kommenden Jahr mit aller Macht verteidigen.
