Kommt nur uns das so vor, oder finden in diesem Sommer besonders viele Promi-Hochzeiten statt? Für die Klatschreporter dieser Welt aber war die Hochzeit des Jahres von Taylor Swift und Travis Kelce ziemlich enttäuschend: eine Mehrzweckhalle als Hochzeitslocation, Hochzeitsgäste, die in schwarzen Limousinen mit abgedunkelten Scheiben im Hintereingang des Madison Square Garden verschwinden, kein einziges Foto vom Brautpaar. „Gala“ zeigte stattdessen Bilder von der fast ein Jahr zurückliegenden Verlobung der beiden.
Bei uns hinterließ das alles ein ähnlich schales Gefühl wie die verschossenen Elfmeter der deutschen Nationalmannschaft bei der WM. Auch da hatten wir große Erwartungen, die jäh enttäuscht wurden. Und jetzt? „Der Ball rollt weiter. Nur eben ohne uns. Und das Leben sowieso“, bringt es Roland Hag, Chefredakteur der „Aktuellen“, philosophisch auf den Punkt.
Zum Glück gibt es noch positive Meldungen. Und die kamen vom Nachwuchs. Dylan Lee, Sohn von „Baywatch“-Legende Pamela Anderson, heiratete seine deutsche Freundin Paula Bruss in der traumhaften Kulisse von St. Tropez. Der Start in die Ehe hatte allerdings etwas vom deutschen Rumpelfußball. Seinen Heiratsantrag hatte er laut „Gala“ vor zwei Jahren ausgerechnet für den Abend geplant, als Deutschland im Viertelfinale der EM stand und Paula mit der Familie vorm Fernseher saß.
Wir schweben auf Woke sieben
Dylan und seine Freunde hatten sich als Überraschung hinter Felsen am Strand von St. Tropez versteckt. Aber alles dauerte ewig, das Spiel gegen Spanien ging in die Verlängerung – und Deutschland verlor. Schließlich verwandelte Dylan den Elfmeter am späten Abend doch noch, und die angehende Braut war trotz deutscher Niederlage noch in der Stimmung für ein „Ja!“. Und wir dachten wieder an Roland Hag: Das Leben, es rollt einfach weiter.
Nun stellen wir uns aber die Frage: Ist eine märchenhafte Hochzeit auch der Garant für eine lange Ehe? Um Madeleine von Schweden und ihren Mann Chris O’Neill, die seit 13 Jahren verheiratet sind, gab es lange Gerüchte, dass nach dem Umzug von Florida nach Schweden die Ehe in Schieflage geraten sei. Im „Goldenen Blatt“ konnten wir jetzt lesen, dass die beiden wieder schweben „wie auf Woken“. Wir waren kurz irritiert: Dass man sich über Woke herrlich aufregen kann, war uns bekannt – dass man auf ihnen auch schweben kann, hingegen nicht. Das würde allerdings auch nicht recht zum sehr traditionellen, mitunter reaktionären Leben in einem Königshaus passen.

Andererseits zeigt das Beispiel Norwegen, dass man ziemlich viel Blödsinn machen kann und trotzdem nicht vom Hof gejagt wird. Diesmal sorgt laut „Gala“ Märtha Louise, die Schwester von Kronprinz Haakon, für „Ärgernispotential“. Sie hat eine „Engelsschule“ gegründet und möchte „dazu beitragen, dass die Norweger offener und toleranter miteinander umgehen“. Mit ihrem Gatten Durek Verrett moderiert sie demnächst eine Fernsehsendung, in der Frauen ekstatisch um Feuer tanzen und durch Höhlen laufen. Im Trailer sagt der selbst ernannte Schamane: „Ich bin mit Gott verbunden, und wenn das etwas ist, was den Leuten unangenehm ist – nun, dann wird es unangenehm für sie werden.“ Es soll Norweger geben, die mittlerweile darauf hoffen, dass Erling Haaland das Ruder im Königreich übernimmt.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Nicht gut lief die Woche zunächst für Prinz Harry, der sich den lange geplanten Auftritt in seiner Heimat anders vorgestellt hatte. Ein Bett im Buckingham Palace (775 Zimmer) war plötzlich nicht mehr frei, und die Verwandtschaft hatte zumindest in den ersten Tagen aus „Termingründen“ noch nicht mal Zeit für eine Tasse Tee. Alle waren auffallend beschäftigt. „Bild“ witterte eine Verschwörung und schaute genau hin, als Camilla am Mittwoch von Clarence House in Richtung Wimbledon-Turnier aufbrach und einen Umweg über die East Road nahm.
Fast zeitgleich sollte nämlich dort Harry das Royal Hospital Chelsea besuchen, ein Altenheim für Veteranen. Das Blatt „beobachtete, wie der Wagen der Königin mit ihrem Gefolge nur wenige Augenblicke vor Harrys Ankunft im Range Rover am Gelände des Kriegsversehrten-Altenheims vorbeifuhr“. Gut möglich, dass mit diesem Auftritt eine Botschaft verbunden war: Ätschi, kolätschi – ich war zuerst hier. Verschwinde aus meinem Revier! Ob es dazu beim späteren Treffen zwischen Charles, Harry, Meghan und den Kindern eine Aussprache gab? Wir würden es uns wünschen. Falls nicht, ist immerhin Verlass auf das Leben: Es rollt einfach weiter.
Wir jedenfalls können mit diesen Sandkastenspielchen nichts anfangen und denken darüber nach, diesen Sommer in einer der neuen Megayachten zu verbringen, die als schwimmende Luxushotels durch die Meere schippern. Laut „Bunte“ richtet sich das Angebot an Gäste, die „diskrete Noblesse“ suchen, das also, was in einigen europäischen Königshäusern gerade verloren geht.
Kleiner Haken: Vier Nächte auf der OE Corinthian von Rom an die französische Riviera kosten in der günstigsten Suite 22.800 Euro. Aber das sollte es uns wert sein, wenn wir abends an der Reling stehen, der Sonnenuntergang unser Gesicht in ein sanftes Orange taucht und wir garantiert auf Woke sieben schweben werden.
