
Wenn das Nackensteak auf dem Grill brutzelt, fragt sich kaum jemand, woher es eigentlich kommt. Nicht selten ist das Schwein, von dem es stammt, in den Niederlanden zur Welt gekommen und dann erst zu einem Mastbetrieb und anschließend zum Schlachthof über weite Strecken durch halb Europa gekarrt worden. Von Tierwohl kann da kaum noch die Rede sein, selbst wenn an den einzelnen Stationen die Haltungsbedingungen höheren Standards entsprechen.
Da es aber bei Schnitzel, Wurst und Co., wie bei fast allen Lebensmitteln hierzulande, einen hohen Preisdruck gibt – vor allem, weil der Handel gerne mit günstigem Grillgut wirbt –, rentiert sich für viele Landwirte die Tierhaltung nicht mehr.
Immer mehr importierte Lebensmittel
Weil das schon länger so ist und zudem in Hessen die Schweinepest so manchem Mäster die Haltung der Tiere unmöglich gemacht hat, gibt es kaum noch Schweinefleisch aus Hessen und auch deutschlandweit immer weniger. Die Folge sind immer mehr Importe. Auch bei Geflügel und Milchvieh sieht es nicht besser aus, wie der hessische Bauernpräsident Karsten Schmal jetzt wieder einmal hervorgehoben hat.
Und selbst wer keine tierischen Lebensmittel produziert, sondern die Grundstoffe für Brot und Bier oder Kartoffeln und Zuckerrüben, hat mit gestiegenen Energiekosten und fehlendem Dünger wegen des Irankriegs sowie schwierigen klimatischen Bedingungen und den dadurch zunehmenden Wetterextremen und Schädlingen zu kämpfen. Das hat, wie Schmal berichtete, auch dazu geführt, dass die Landwirte in den vergangenen Jahren deutlich weniger investiert haben.
Eine Situation, die nicht nur den Landwirten Sorgen bereiten sollte, sondern auch der Politik. Dass sich die Produktion von Lebensmitteln ins Ausland verlagert, ist ein alarmierendes Zeichen. Nicht zuletzt die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es sein kann, auf regionale Produkte zurückgreifen zu können. Darum ist es wichtig, für gute Rahmenbedingungen für die Landwirte zu sorgen und ihnen die Sicherheit zu geben, dass sich Vorschriften nicht alle naselang ändern.
Auch die von den Landwirten geforderte und vom Land zu fördernde Versicherung gegen Gefahren wie Unwetter sollte zügig ins Werk gesetzt werden. Denn sie könnte auch das Land entlasten, das dann für Schäden nicht mehr aufkommen müsste. Vor allem aber wäre es ein Beitrag, um die Nahversorger zu stärken, und das würde, wegen geringerer Transportwege, auch noch dem Klima nützen.
