
Hitzewelle
Deutschland im Schwitzkasten
11. Juli 2026 · Die Hitzewelle Ende Juni war historisch – und nun wird es wieder heiß. Unsere interaktive Karte zeigt die aktuelle Temperatur und den Rekordwert an Ihrem Wohnort.
Der ohnehin sehr warme und sonnige Juni endete mit einer historischen Hitzewelle. 250 von rund 500 Wetterstationen im Land verzeichneten örtliche Allzeit-Rekordtemperaturen. In Neißemünde-Coschen in Brandenburg wurde am 28. Juni die deutschlandweit höchste Temperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Jahr 1881 gemessen: 41,7 Grad Celsius.
Die mittlere Temperatur im Juni lag landesweit bei 19,5 Grad Celsius; damit war der diesjährige Juni der zweitwärmste seit 1881. Verglichen mit der international gültigen Referenzperiode, also dem Zeitraum zwischen 1961 und 1990, lag die Temperatur 4,1 Grad über dem langjährigen Mittel.
Im folgenden Diagramm können Sie sehen, welche mittleren Tagestemperaturen in diesem Jahr an der Station gemessen wurden, die Ihnen am nächsten ist, und mit dem Durchschnittswert der langjährigen Referenzperiode vergleichen. Geben Sie dafür einfach Ihre Postleitzahl ein. Die Angaben werden zu keinem Zeitpunkt gespeichert. Wie groß ist die Abweichung an Ihrem Ort?
Die sogenannte Omegalage Ende Juni hat nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa in den Schwitzkasten genommen. Bei dieser umgangssprachlich auch „Hitze-Dom“ genannten Wetterlage wird ein Hochdruckgebiet mit heißen Luftmassen über Mitteleuropa zwischen Tiefdruckgebieten im Westen und Osten wie eine Blase eingeklemmt. Solange es sich nicht bewegt, wie es im Juni der Fall war, wird es wegen der Sonneneinstrahlung stetig heißer. Die Tage waren durch Temperaturen um die 40 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit vielerorts kaum erträglich, und auch die Nächte brachten keine Abkühlung. In Kubschütz in Sachsen sank die Temperatur in der Nacht auf den 28. Juni nicht unter 29,4 Grad – ebenfalls ein vorläufiger Rekordwert.
In der Region am Oberrhein gab es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) allein im Juni acht bis zehn sehr heiße Tage, je nach Messstation. Von einem „sehr heißen Tag“ spricht der DWD, wenn die Maximaltemperatur am Tag mehr als 35 Grad beträgt. Liegt die Maximaltemperatur eines Tages zwischen 30 und unter 35 Grad, handelt es sich um „heiße Tage“. Solche sogenannten Hitzetage traten im gesamten Jahr 2025 in Deutschland im bundesweiten Mittel 11,1-mal auf.
Hitzetage wurden in den vergangenen Jahrzehnten häufiger. In den vergangenen drei Jahren gab es jeweils zwischen elf und zwölf Hitzetage. Im Supersommer 2018 waren es sogar 20,4. Im laufenden Jahr 2026 seien im Gebietsmittel circa zehn heiße Tage beobachtet worden, teilt der DWD der F.A.Z. auf Anfrage mit. Diese Zahl sei nur bedingt mit der Anzahl für das Gesamtjahr zu vergleichen. Man bewege sich aber jetzt schon im Bereich der Anzahl der letzten drei Jahre, obwohl noch ein Großteil des Sommers bevorstehe, so der DWD. Unsere eigene Auswertung der Temperaturdaten aller Stationen im Jahr 2026 ergibt: An 30 Tagen wurde an mindestens einer Station in Deutschland eine Temperatur von mehr als 30 Grad Celsius gemessen.
Bis 2100 wird sich die Anzahl der Hitzewellen, also mehrtägiger Perioden mit ungewöhnlich hohen Temperaturen, durch den Klimawandel verdreifachen, prognostizieren Forscher des DWD und des Umweltbundesamts. Auch die durchschnittliche Dauer und Intensität der Hitzewellen werden zunehmen. Das hat bereits die letzte Hitzewelle mit Temperaturen von über 40 Grad gezeigt. Unsere Auswertung der DWD-Temperaturdaten ergab, dass es im Zeitraum 1881 bis 2000 einen Tag gab, an dem Temperaturen über 40 Grad gemessen wurden. Das war 1983. In den Jahren 2001 bis 2025 gab es schon neun Tage, an denen es an mindestens einer deutschen Wetterstation heißer war als 40 Grad. Und allein im ersten Halbjahr 2026 gab es schon drei Tage über 40 Grad.
Quellen und Methodik
Für alle Angaben in unseren Grafiken nutzen wir Daten des Deutschen Wetterdiensts (DWD). Aktuelle Angaben wie die momentane Temperatur werden im Zehn-Minuten-Takt an den jeweiligen Stationen gemessen, auch die Temperatur im Tagesverlauf ergibt sich aus diesen Messwerten. Angaben zur durchschnittlichen Tagestemperatur sowie zu Höchst- und Tiefsttemperaturen stammen aus den Tageswerten des DWD.
Um die aktuellen Temperaturen im langjährigen Vergleich einordnen zu können, beziehen wir zudem historische Werte für die Referenzperiode 1961 bis 1990 ein. Dazu haben wir für jeden Tag des Jahres die mittlere Temperatur in diesem Zeitraum berechnet sowie die gemittelte Tagestiefst- und -höchsttemperatur. So lässt sich zeigen, wie stark die diesjährigen Temperaturen vom klimatologischen Mittel abweichen. Diese Auswertung liegt nur für Stationen vor, an denen während der Referenzperiode Daten erhoben wurden.
Da aktuelle Messungen und historische Werte nicht für alle DWD-Stationen im gleichen Umfang vorliegen, können einzelne Angaben fehlen. Das betrifft vor allem Stationen mit Datenlücken, Messausfällen oder ohne historische Vergleichsreihe.
