Das Historische Museum verfügt über eine einzigartige Münzsammlung, die 150.000 Objekte umfasst, auch Medaillen und Geldscheine. Ein Fundus, der nicht leicht zu heben ist – mit Münzen, mit ihrer Herstellung und Verbreitung, muss man sich schon unbedingt beschäftigen wollen, um sie interessant zu finden. Eine schöne Idee also, sie einmal unter einem anderen, etwas volkstümlicheren Blickwinkel zu präsentieren: Inwiefern spiegeln sie historische Ereignisse, schlagen womöglich einen Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart, gar von Frankfurt in die Welt? Darum geht es in der Ausstellung „Die Welt im Geld“ im Historischen Museum, die noch bis zum 31. Januar zu sehen ist.
Ausgangspunkt, so schreiben die Kuratorinnen Christina Bach und Yi Liu im Katalog, war eine „Teuerungsmedaille“ von 1817, auf der der Rat der Stadt die Preise für verschiedene Lebensmittel in jenem Jahr verzeichnete – hohe Preise, denn sie waren drastisch gestiegen nach dem Ausbruch des Vulkans Tambora im heutigen Indonesien zwei Jahre zuvor. Eine globale Katastrophe, denn die Asche hatte den Himmel in weiten Räumen so sehr verdunkelt und die Atmosphäre dermaßen beeinflusst, dass Stürme, Kälte, Überschwemmungen und letztlich Missernten und Hungersnöte selbst in Europa die Folge waren.
Die Loreley in der Dämmerung

1816 sollte als das „Jahr ohne Sommer“ in Erinnerung bleiben, ohne dass man damals den Zusammenhang erkannte. Die Veränderung des Klimas hatte verschiedene Folgen. Womöglich als Folge der Not erfand Karl von Drais die Laufmaschine, die Urform des Fahrrads, weil Pferde verhungert oder geschlachtet worden waren. Die Aschepartikel in der Atmosphäre führten zu dramatischen Sonnenuntergängen, die die Malerei der Romantik aufgriff; in der Ausstellung ist ein Ölgemälde zu sehen, das die Loreley in der Dämmerung zeigt.
Ein überzeugendes Beispiel für weltweite Zusammenhänge ist auch eine Pestmedaille, die die Stadt Frankfurt 1635 herausgab und die auf der einen Seite eine Ansicht der Stadt zeigt, auf der anderen angibt, dass an dieser Krankheit, die Seuche früherer Jahrhunderte schlechthin, 3421 Frauen und Männer gestorben waren. Die zunehmende Vernetzung der Welt begünstigte die Verbreitung der Pest; der Welle im Dreißigjährigen Krieg, der ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer fiel, waren mehrere im Mittelalter vorausgegangen. Wesentlich näher an der Gegenwart, von 1918 bis 1920, wütete die Spanische Grippe. Sie kommt in der Ausstellung in der Form eines Notgeldscheins der Stadt von 1918 vor, mit dem Krankenkassen Krankengeld auszahlten.
Frankfurt als Handelsstadt

Die Bezüge zwischen Frankfurt und der Welt bestanden aber glücklicherweise nicht nur im Erleiden von universalen Schrecknissen. Frankfurt hat sich nicht zuletzt als Handelsstadt etabliert, seit 1240 ist die Messe nachgewiesen, seit 1585 die Börse. Die zentrale Lage im deutschsprachigen Raum wie ganz Europas half dabei; es ist kein Zufall, dass heute der größte Flughafen Deutschlands wie auch der wichtigste Internetknoten weit und breit in der Mainmetropole residieren. In der Ausstellung ist ein Zollzeichen aus dem 17. Jahrhundert zu sehen, mit dem überprüfte Ware gekennzeichnet wurde, ein Kurszettel der Börse von 1727, eine Fahrplanmarke von 1897, auf der die Abfahrtszeiten der Züge nach Kronberg vermerkt waren. Auch eine 50-Pfennig-Münze von 1948 von der Bank deutscher Länder, Vorgängerin der Bundesbank mit Sitz auch schon in Frankfurt, wird gezeigt.
Ausführlich befasst sich die Ausstellung mit der kolonialen Vergangenheit der Deutschen, einem Thema, das in der Geschichtswissenschaft generell zunehmend Beachtung findet. In der Münzsammlung findet sich eine Medaille, die zur Silberhochzeit von Helene und Dietrich Kunze geprägt wurde; der Unternehmer betrieb in Waghäusel bei Karlsruhe eine Zuckerfabrik und engagierte sich im Aufsichtsrat der in Frankfurt ansässigen Deutschen Tabakbau-Gesellschaft. Gezeigt werden auch eine Rupie aus dem damaligen Deutsch-Ostafrika von 1910, auch eine Münze der Deutsch-Neuguinea-Mark, auch ein Geldschein über 500 Deutsche Mark von 1993, auf dem Maria Sibylla Merian abgebildet ist, ein etwas entlegener Bezug zum Kolonialismus.

Es ist ein rascher Ritt durch die Jahrhunderte und die Themen, immer an Münzen, Medaillen und bisweilen Geldscheinen entlang. Manches wird zwangsläufig nur angerissen; deutlich ist vor allem, dass eine solide Aufarbeitung der Frankfurter Wirtschaftsgeschichte im Historischen Museum in einer eigenen Ausstellung dankbar wäre; in dieser Schau wird das Thema oft gestreift. Vor allem aber zeigt die Ausstellung, welche Schätze in den Beständen dieses Hauses schlummern, die wieder und wieder gehoben werden wollen.
