
„Wenn ich Respekt vor etwas habe, dann habe ich nicht automatisch Angst davor.“ Oliver Burkhard, Chef des Kieler Marineschiffbauers ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), sagt diesen Satz, als seinem Unternehmen der größte Auftrag seiner Geschichte winkt: TKMS darf gemeinsam mit seinen Partnern die kanadische Marine mit einer Flotte von bis zu zwölf U-Booten ausstatten.
Die Bedeutung dieser Milliarden-Euro-Bestellung reicht weit über TKMS, weit über Thyssenkrupp, ja weit über die wirtschaftliche Komponente hinaus. Was Kanzler Friedrich Merz (CDU) als „großes strategisches Vorhaben“ bezeichnet, „das Kanada, Deutschland und Norwegen auf Jahrzehnte verbindet“, kommentiert Burkhard ähnlich – und doch ganz anders: „Wenn man einmal ein U-Boot kauft, dann hängt man zusammen für die nächsten 40 Jahre. Scheiden lassen kann man sich auch nicht.“
Klare Worte, klare Ziele
Es ist diese Furchtlosigkeit vor klaren Worten, die verbunden mit inhaltlicher Zielstrebigkeit den Manager Burkhard dorthin gebracht hat: an die Spitze eines M-Dax-Konzerns und nach Halifax zur Verkündung eines der größten U-Boot-Deals der Welt.
Dass er im Top-Management landen würde, dazu noch in einem Rüstungsunternehmen – das war nicht unbedingt absehbar. Begonnen hat der 54 Jahre alte Burkhard als Arbeiterführer, genauer: als Bezirksleiter der mächtigen Gewerkschaft IG Metall in Nordrhein-Westfalen. Als klar war, dass er keine Chance hatte, schnell ganz an die Gewerkschaftsspitze aufzusteigen, wechselte der studierte Betriebswirt zum Industriekonzern Thyssenkrupp – zunächst als Arbeitsdirektor.
Mehr als ein Jahrzehnt lang trug ihn seine humorvoll-selbstbewusste Art durch die Höhen, aber vor allem Tiefen des kriselnden Konzerns. Den Abbau von insgesamt rund 13.000 Stellen hat Burkhard im Laufe seiner Personalchefjahre miterlebt – ausgerechnet er, der ehemalige Gewerkschafter.
Thyssenkrupp, wie ein „Haufen bunter Knete“?
2025 beendete er seine Konzernvorstands-Karriere und konzentrierte sich als Chef von TKMS, das damals noch Konzernsparte war, komplett darauf, den Marinebereich in die Loslösung vom Mutterkonzern und an die Börse zu leiten. Damals hieß es, es werde von Burkhards Geschick abhängen, ob sich der Kurs von Thyssenkrupp, seine Tochtergesellschaften nach und nach abzuspalten, als erfolgreich erweisen würde.
Der Riesenauftrag aus Kanada scheint zum einen eine Bestätigung dafür, dass mehr Ordnung in den „Haufen bunter Knete“ kommt, als den Burkhard Thyssenkrupp mal bezeichnet hat. Zum anderen adelt er Burkhards hemdsärmelige Mentalität. Die Devise „Respekt, aber keine Angst“ könnte er gerade durch seinen eigenen, vielfältigen Lebenslauf verinnerlicht haben. Schließlich galt er schon bei der IG Metall als Exot – ohne Metallarbeiter-Vorgeschichte und mit seinem BWL-Abschluss. Vielleicht passt das Sprachbild mit der bunten Knete also am Ende auch ein bisschen auf den Manager Burkhard selbst.
