Sie blickte an sich herab und fühlte sich so schön wie nie. Das Kleid, das sie immer tragen wollte, aber nicht hatte tragen dürfen, war sonnengelb. Der Stoff fiel locker bis zu den Knien an ihr herab. Die hohe Taille, die Puffärmelchen. Die kleine Zarina, nicht einmal fünf Jahre alt, war eine Prinzessin.
Ihre große Schwester Darya, die alle nur Dasha nannten, nahm sie an die Hand, grinste sie an – Zarina hatte heute Außergewöhnliches vor. Da gab es diese Frau in der Nachbarschaft. Lumpige Kleidung, bucklig war sie und schwach. Jeden Tag bettelte sie an einer Straßenecke. Regelmäßig fragte Zarina ihre Mutter, ob sie ihr etwas Geld geben dürfe. Doch die erlaubte es nie. Warum sollten sie anderen helfen, habe sie gesagt. Ihnen helfe man doch auch nicht. An diesem Tag aber bekam Zarina die fünf Kopeken. Zusammen mit Darya verließ sie stolz die Wohnung, marschierte zur Straßenecke und drückte der Frau das Geld in die Hand. Dabei fühlte sie sich so groß, so glücklich, erzählt sie fast 30 Jahre später.
