
Deutsche und europäische Klimaschutzmaßnahmen und finanzielle Belastungen für die Luftfahrt führen nicht dazu, dass weniger geflogen wird und dass es weniger Flugzeuge auf der Welt gibt. Der Marktausblick des Herstellers Airbus sieht einen kolossalen Bedarf von 42.000 zu bauenden Flugzeugen bis 2045. Die Mehrzahl ersetzt nicht alte Maschinen, sondern soll zusätzlich starten. Ein abwegiger Traum eines Herstellers? Keineswegs. Auch andere Marktstudien sagen bis zur Mitte des Jahrhunderts eine Verdopplung des Verkehrs voraus. Ein jährlicher Anstieg der Passagierzahlen um drei bis vier Prozent genügt dafür.
Deutschland und Europa haben aber immer weniger an diesem Wachstum teil. Laut Airbus-Prognose entsteht nur ein Bruchteil des Bedarfs in Europa. Zusätzliche Starts gibt es dennoch, nur halt anderswo. Das liegt auch am hiesigen Entwicklungsstand und daran, dass Europäer schon viel unterwegs sind. Andere Regionen müssen diese Entwicklung mit wachsendem Wohlstand erst nachholen. Dazu kommen aber diverse regulative Bremsklötze, die die hiesige Luftfahrt flügellahm machen. Jede staatlich auferlegte Last – Ticketsteuer, höhere Kontroll- und Lotsengebühren, Europäischer Emissionshandel, Beimengpflicht für teurere, alternative Kraftstoffe – ist allein nicht gravierend. Die Summe ist es schon. Der gerade erfolgte kleine Abzug bei der deutschen Ticketsteuer hat daran nichts geändert.
Und es droht neues Ungemach: Bislang unterliegen nur Flüge, die in der EU sowohl starten als auch landen, dem Emissionshandel. Nun reift der Plan, alle in der EU startenden Flüge zu belasten. Für Reisende aus aller Welt schüfe das einen finanziellen Anreiz, auf Umstiege in der EU zu verzichten. Zusätzliche Reisen gäbe es trotzdem, mit Umstiegen anderswo und mit Flugzeugen, die Airbus nicht an europäische Kunden, sondern an Airlines im Rest der Welt verkauft. Der kleine europäische Anteil an der prognostizierten Flugzeugnachfrage sollte eine Warnung an die Politik sein.
Die Gesamtprognose ist indes eine Warnung für die Flugzeughersteller. Mit ihren aktuellen Auslieferungszahlen könnten Boeing und Airbus den Bedarf nämlich nicht decken. Es ist mehr Zuverlässigkeit und Termintreue bei Aufträgen nötig, sonst wird neuen Flugzeugherstellern wie Comac aus China geradezu ein Einfallstor geöffnet.
