Langsam setzt sich die kleine Gruppe vom Parkplatz des Karmeliterklosters in Bewegung, mitten im Trubel der Frankfurter Innenstadt. Schnell bilden sich die ersten kleinen Grüppchen, sie reden über Gott und die Welt. „Früher hätten wir uns gefreut, wenn es so etwas gegeben hätte“, erzählt Doris. Sie nimmt häufiger dienstags den Weg aus Eschersheim auf sich, um am Spaziertreffen „Fit in Frankfurt“ teilzunehmen, speziell an dem, das in der Innenstadt stattfindet, weil sie hier in der Ecke groß geworden ist, wie sie sagt. Die Treffen helfen ihr, den „eigenen inneren Schweinehund zu überwinden“, da sie sich sonst im Alltag nicht immer motivieren könne, sich bewusst zu bewegen.
Das Projekt „Fit in Frankfurt“ wurde 2024 ins Leben gerufen und ist eine ämterübergreifende Aktion des Gesundheitsamts, des Sportamts und des Jugend- und Sozialamts Frankfurt. Dabei hat man sich am Konzept des Berliner Vereins Stadtbewegung e. V. orientiert und zusammen mit ihm ein Konzept für Frankfurt entwickelt. Aktuell werden Spaziertreffen in acht verschiedenen Stadtteilen angeboten, die immer am gleichen Tag zur selben Uhrzeit stattfinden, unabhängig vom Wetter. Das Ziel, das dahintersteht: „Vor allem bewegungsferne Menschen zu aktivieren, Bewegung in den Alltag zu integrieren, und das mit einem niedrigschwelligen Angebot“, sagt Elena Schuldes vom „Fit in Frankfurt“-Team, das im Februar 2025 mit den Gruppenspaziergängen gestartet ist. Damit die Spaziertreffen stattfinden können, bildet das Team von „Fit in Frankfurt“ Buddys aus, die die Leitung der Treffen übernehmen. Vorher erfolgt eine Einweisung durch Fachpersonal mit sportwissenschaftlichem Hintergrund.
Steffie ist der Buddy für das Lauftreffen in der Innenstadt, und das schon seit über einem Jahr. Ihr war wichtig, „in der Pause aus dem Büro rauszukommen“ und gleichzeitig „Sport in ihren Alltag zu integrieren“. Kolleginnen und Kollegen schlossen sich ihr an. Zusammen mit regelmäßig Teilnehmenden habe sich mittlerweile ein „schöner, fester Kern“ gebildet. Neben dem Spazieren werden auch immer wieder Bewegungs-, Koordinations- und Stabilisationsübungen von Steffie eingebaut, die die an diesem Tag älteren Teilnehmenden auf Trab halten und ihr Herz-Kreislauf-System in Schwung bringen.
Die WHO empfiehlt 150 Minuten Bewegung pro Woche
Alltägliche Bewegung ist zentraler Bestandteil eines gesunden Lebensstils. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Erwachsene mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche; bereits 30 Minuten an fünf Tagen der Woche reichen aus. Dazu zählen auch Alltagsaktivitäten wie Spazieren. Wer regelmäßig körperlich aktiv ist, stärkt sein Immunsystem, beugt vielen Erkrankungen vor und fördert das Wohlbefinden. Der gesundheitliche Aspekt ist auch der Teilnehmerin Hui sehr wichtig. Sie hat „Diabetes und deswegen Bluthochdruck, und Spazieren ist da die beste Option“, ihren Symptomen entgegenzuwirken.
Wie vielen der anderen Teilnehmenden geht es ihr nicht nur um die Bewegung, sie kommt auch wegen der „lockeren Gruppe“. Man könne sich mit jedem unterhalten, sagt Hui. Ähnlich sieht das auch Doris, die sich darüber freut, „dass man immer wieder mit Menschen ist“, mit denen man sonst vielleicht nicht unterwegs wäre. Die 78 Jahre alte Frau probierte auch andere Aktivitäten aus, aber: „Da kümmert sich niemand um einen.“ Das Fitnessstudio etwa wurde ihr schnell zu teuer.

„Fit in Frankfurt“, das Projekt für die Spaziergänger, ist dagegen kostenlos. Möglich wird das durch ehrenamtliche Buddys, die die Verantwortung für einen regelmäßigen Spaziergang übernehmen. Sie zu finden, sei jedoch nicht immer einfach, „es braucht Menschen, die sich in ihrem Alltag zuverlässig Zeit dafür nehmen können“, sagt Elena Schuldes aus dem Team von „Fit in Frankfurt“. Noch weitere Angebote sind geplant. Das lässt sich gerade aber nicht umsetzen, weil Buddys fehlen.
Gefördert werden die Spaziergänge durch das GKV-Bündnis für Gesundheit, also durch hessische Krankenkassen und Krankenkassenverbände. Bis Ende 2027 läuft die Unterstützung. Schuldes sagt: „Wir wünschen uns, dass das Projekt auch danach weitergeführt werden kann.“ Außerdem sollen weitere Stadtteile und Zielgruppen hinzukommen. Dazu wird in den folgenden Monaten eine Evaluation durchgeführt, um zu schauen, „wie wir in Zukunft noch mehr Menschen und weitere Zielgruppen erreichen können“. Aktuell kommen vor allem ältere Menschen zu den Treffs. Deshalb setzt das Projekt nun auf die sozialen Medien, um jüngeren Menschen die Vorteile des Spaziergehens näherzubringen.
Nach 45 Minuten hat die Gruppe wieder den Parkplatz des Karmeliterklosters erreicht. Noch ein wenig dehnen, beweglich bleiben, regenerieren. Die Spaziergänger schnaufen und stöhnen. Zufrieden wirken sie trotzdem alle. Das gemeinsame Bewegen hat seinen Teil dazu beigetragen, dass an diesem Vormittag die Teilnehmenden glücklich ihrer Wege gehen.
Infos zu den Gruppen-Spaziergängen
Das Projekt „Fit in Frankfurt“ gibt es aktuell in zehn Stadtteilen: Bockenheim, Bonames, Eckenheim/Dornbusch, Unterliederbach/Höchst, Innenstadt I, Innenstadt II, Nordweststadt, Ostend/Sachsenhausen, Riederwald und Rödelheim. Die Spaziergänge finden wöchentlich statt, eine Anmeldung ist nicht nötig. Weitere Informationen und eine Übersicht unter frankfurt.de/gutgehts/fitinfrankfurt
