Donald Trump ist bekannt dafür, Dinge gern nach sich zu benennen. Sein Name steht prominent auf Gebäuden seines Immobilienimperiums. Als die US-Regierung im Jahre 2020 im Rahmen eines Notprogramms während der Corona-Pandemie Schecks an Amerikaner verschickte, war darauf auch sein Name zu lesen. Jetzt hat er eine nach ihm benannte Initiative gestartet, die amerikanische Kinder zu Investoren machen soll.
Familien können jetzt sogenannte „Trump Accounts“ für Kinder einrichten. Das sind steuerbegünstigte und staatlich subventionierte Wertpapierdepots. Für die Konten von Kindern, die zwischen Anfang 2025 und Ende 2028 geboren wurden oder noch werden – also grob in Trumps laufender Amtszeit als US-Präsident –, gewährt die US-Regierung gratis ein Startguthaben von 1000 Dollar.
Das Programm startete offiziell am vergangenen Samstag zur Feier des 250. Geburtstags der USA, und aus diesem Anlass läutete Trump am Montag im Weißen Haus die Eröffnungsglocken der beiden Börsen New York Stock Exchange und Nasdaq. Dabei versuchte er, zu beteuern, es sei nicht seine Idee gewesen, die neuen Konten nach ihm zu benennen. Aber er sei „sehr stolz“ darauf.

Die Trump-Konten wurden schon vor einem Jahr im Rahmen des Steuer- und Ausgabengesetzes „One Big Beautiful Bill“ beschlossen. Sie können grundsätzlich für alle amerikanischen Staatsbürger unter 18 Jahren eingerichtet werden, wobei nur Neugeborene der Jahrgänge 2025 bis 2028 den Zuschuss von 1000 Dollar erhalten sollen. Neben dem Startkapital können jedes Jahr bis zu 5000 Dollar auf dem Konto angelegt werden, das Geld kann von Familienmitgliedern oder Arbeitgebern kommen. Darüber hinaus können wohltätige Organisationen an die Inhaber der Depots spenden.
Die Trump Accounts funktionieren ähnlich wie steuerbegünstigte Anlageformen für die Altersvorsorge. Sie werden von Erziehungsberechtigten kontrolliert, bis die Kinder 18 Jahre alt sind. Auch danach können die Inhaber nicht frei darüber verfügen. Die Konten sind im Prinzip so konzipiert, dass das Geld erst beim Erreichen des Rentenalters ohne Strafgebühr abgezogen werden kann. Es gibt allerdings Ausnahmen, beispielsweise wenn das Geld für die Ausbildung oder die Anschaffung einer Immobilie verwendet wird.
Das Geld auf den Trump Accounts wird in Indexfonds mit niedrigen Verwaltungsgebühren investiert, die den breiten amerikanischen Aktienmarkt nachbilden, etwa den Index S&P 500. Verwaltet werden die Konten vom Onlinebroker Robinhood und vom Finanzkonzern BNY (Bank of New York Mellon).

Der US-Finanzminister Scott Bessent hat die Trump Accounts „eine der bedeutendsten politischen Innovationen der Neuzeit“ genannt. Sie würden als „eines der nachhaltigsten Vermächtnisse“ Trumps in die Geschichte eingehen. Bessent stellt die Konten als Vehikel dar, um mehr Amerikaner zu Aktionären zu machen. 38 Prozent aller amerikanischen Familien hätten heute keine Aktien. Mit den Trump Accounts könne diese Zahl im Laufe der Zeit auf null reduziert werden.
„Sehr reich werden“
Bessent und Trump stellen die Konten auch als Weg dar, ärmeren Amerikanern zu helfen. „Kinder, die mit praktisch keinem Geld auf die Welt kommen, können schon in jungem Alter sehr reich werden“, sagte Trump am Montag. Bessent ergänzte, Trump Accounts würden den „amerikanischen Traum“ für alle Bürger erreichbar machen.
Kritiker argumentieren hingegen, das Programm nutze vor allem wohlhabenden Amerikanern. Sie weisen darauf hin, dass die Subvention von 1000 Dollar unabhängig vom Einkommen gewährt werde und sich finanziell besser gestellte Menschen leichter zusätzliche Einzahlungen auf die Konten leisten könnten. Erick Russell, ein ranghoher Finanzbeamter des Bundesstaates Connecticut aus der Demokratischen Partei, rechnete vor, ein Trump-Depot einer wohlhabenden Familie könne einen Wert von 150.000 Dollar erreichen, wenn dessen Inhaber 30 Jahre alt ist. Für Personen aus niedrigeren Einkommensklassen seien es nur 2500 Dollar.
Auf der offiziellen „Trump Accounts“-Internetseite der Regierung werden andere Zahlen genannt, wobei auch hier der Wert des Depots maßgeblich an zusätzlichen Einzahlungen hängt. Demnach würde unter Berücksichtigung historischer Kursentwicklungen im S&P 500 ein mit 1000 Dollar bezuschusstes Depot eines Neugeborenen ohne weitere Beiträge bis zum Alter von 18 Jahren auf einen Wert von 6000 Dollar anwachsen. Bei einer maximalen jährlichen Einzahlung von 5000 Dollar seien es 271.000 Dollar.
Connecticut hat seit wenigen Jahren ein sogenanntes „Baby Bonds“-Programm, das speziell auf bedürftige Kinder abzielt. Kinder, deren Geburt von Medicaid, der staatlichen Krankenversicherung für Geringverdiener, bezahlt wurde, bekommen 3200 Dollar vom Bundesstaat. Dieses Geld wird automatisch in ihrem Namen investiert. Die Trump Accounts inklusive der Subvention von 1000 Dollar müssen dagegen bei der Steuererklärung beantragt werden. Dazu gibt das neue Formular „4547“, eine Anspielung darauf, dass Trump der 45. und gleichzeitig 47. US-Präsident ist.
Ein anderer Kritikpunkt an dem von Trump als Vehikel aus der Armut beschriebenen Programm ist es, dass im Zuge des Steuer- und Ausgabengesetzes im vergangenen Jahr einige Leistungen für Bedürftige gestrichen wurden. Beispielsweise gab es Einschnitte bei Medicaid.
Fragen nach Interessenkonflikten
In den USA werden derzeit nach Regierungsangaben 3,6 Millionen Menschen im Jahr geboren. Würden für alle Neugeborenen Trump-Depots eingerichtet, würde also allein das Startguthaben die Regierung 3,6 Milliarden Dollar kosten.
Eine Reihe amerikanischer Unternehmen wie Goldman Sachs, Uber oder Mastercard haben angekündigt, das Trump-Depot für Kinder ihrer Mitarbeiter zu unterstützen, etwa indem sie das von der Regierung gewährte Startguthaben verdoppeln. Einige Wirtschaftsvertreter gehen noch deutlich weiter. Gwynne Shotwell, die Präsidentin des von Elon Musk geführten und gerade an die Börse gegangenen Raumfahrtspezialisten SpaceX, kündigte an, mehr als zwei Millionen Kindern eine Aktie des Unternehmens für das Depot zu geben. Diese Spende hat gemessen am letzten Aktienkurs von SpaceX einen Wert von mehr als 320 Millionen Dollar, und sie soll Kindern im Alter zwischen elf und 17 Jahren aus Regionen mit unterdurchschnittlichem Haushaltseinkommen vorbehalten sein.
Die größten Spender sind Michael Dell, der Gründer des nach ihm benannten Computerherstellers, und seine Frau Susan. Sie wollen insgesamt 6,25 Milliarden Dollar in das Programm fließen lassen, und sie waren am Montag ebenfalls im Weißen Haus. Trump warb während der Veranstaltung für Dell und sagte: „Kauft euch einen Dell-Computer.“ Der Aktienkurs von Dell stieg daraufhin deutlich an, so wie er das vor einigen Wochen schon einmal tat, als Trump ebenfalls zum Kauf von Dell-Computern aufrief. Davon profitiert Trump selbst, denn er hält ein größeres Paket von Dell-Aktien.
