
Athleten Deutschland fordert den Rücktritt aller Präsidiumsmitglieder der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG). „Sollte das Präsidium diesen Schritt nicht gehen“, heißt es in einer Mitteilung der Interessengemeinschaft vom Dienstag, „sind die Landesverbände in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen und diese Führung zum Wohle des Eisschnelllaufs abzuwählen.“ Das Bundeskanzleramt und den Deutschen Olympischen Sportbund fordert Athleten Deutschland auf, „jeden zur Verfügung stehenden Hebel“ zu nutzen. „Dass ein aus öffentlichen Mitteln geförderter Verband vor aller Augen Bundeskaderathletinnen und -athleten dermaßen schikaniert und durch sein Verhalten Spitzenleistungen verhindert, läuft allen Zielen und Werten der Spitzensportförderung entgegen“, heißt es weiter.
„Erfurt hat keine Kaderathleten mehr, wenn sie nicht unterschreiben“
Hintergrund sind Darstellungen zahlreicher Thüringer Eisschnellläufer, von der DESG und insbesondere deren Präsident Matthias Große unter Druck gesetzt zu werden. In einem Beitrag der ARD-„Sportschau“ vom Montagabend erheben Patrick Beckert, Hendrik Dombek, Stefan Emele, Moritz Klein, Felix Maly, Finn Milling, Tobias Schlörb, Finn Sonnekalb und Maximilian Strübe neuerlich Vorwürfe gegen die DESG-Führung.
Sie sollen nach dem Willen Großes und der DESG künftig in Inzell (Allround) oder Berlin (Sprint) trainieren. Das lehnen die Sportler ab. Der Athletenvereinbarung für die kommende Saison haben sie einen „Side Letter“ beigefügt. Über diesen Zusatz versuchen sie, ihren Lebensmittelpunkt am Stützpunkt in Erfurt, dem erfolgreichsten Eisschnelllaufstandort in Deutschland, zu sichern. Die DESG lehnt das ab und forderte die Sportler mit Fristsetzung auf, die Athletenvereinbarung in der ursprünglichen Fassung zu unterschreiben. In einem Interview mit dem MDR hatte Große jüngst gesagt: „Erfurt hat keine Kaderathleten mehr, wenn sie die Athletenvereinbarung nicht unterschreiben. Klarer Weg.“
Eisschnellläufer Dombek, zugleich Präsidiumsmitglied bei Athleten Deutschland, wird von der Athletenvereinigung als „maßlos enttäuscht“ zitiert. „Wir können das Verhalten der DESG nicht nachvollziehen. Der Verband setzt uns mit einem weiteren Ultimatum erheblich unter Druck.“
Dem Thüringer Eis- und Rollsportverband hatte die DESG in einer Pressemitteilung vom vergangenen Freitag mit rechtlichen Schritten wegen „verbandsschädigenden Verhaltens“ gedroht. Im Beitrag der „Sportschau“ äußern mehrere der neun Sportler, ihre Karriere beenden zu wollen, sollten sie nicht weiter in Erfurt trainieren können. Der 19 Jahre alte Finn Sonnekalb, der als größtes deutsches Talent seit Jahren im Eisschnelllauf gilt, kündigte an, ins Ausland wechseln zu wollen, sollte die DESG ihn zwingen, Erfurt zu verlassen. Felix Maly, im zurückliegenden Winter Olympiateilnehmer in Mailand, bringt seinen Eindruck vom Dasein als Sportler der DESG so zum Ausdruck: „Aktuell würde ich mein Kind nicht im Eisschnelllaufen anmelden, weil ich mein Kind davor bewahren möchte, dass mein Kind die gleichen Erfahrungen macht wie ich.“
