Im Iran sind nach staatlichen Angaben zahlreiche Menschen der Trauerprozession für den getöteten obersten
Führer Ajatollah Ali Chamenei gefolgt.
Die Staatsagentur Irna sprach am Montag von Millionen Teilnehmerinnen
und Teilnehmern in Teheran, nannte jedoch keine genaue Zahl.
In der Stadtmitte zog ein Wagen mit Särgen des Staatsoberhaupts und seiner ebenfalls getöteten Angehörigen bei Temperaturen von weit über 30 Grad über
die Hauptverkehrsachse vom Osten in den Westen der Hauptstadt, begleitet von
Menschenmassen. Einige warfen Schals
und andere Gegenstände auf das Fahrzeug, Begleiter streiften damit den
Sarg. Der Brauch gilt im Iran als Segen. Helfer sprühten in der
Sommerhitze Wasser auf die Menge. Lautsprecherdurchsagen mahnten zu
Zurückhaltung.
Racheschwüre und Mordaufrufe
Viele Teilnehmer der Prozession skandierten »Rache,
Rache« sowie »Tod für Amerika« und »Tod für Israel«. Einige Anhänger
hielten Plakate hoch, auf denen US-Präsident Donald Trump als
Zielscheibe dargestellt war. »Die USA haben unseren Vater getötet«, hieß es auf
dem Plakat, und weiter: »Wir werden euch nicht entkommen
lassen!« Frauen in schwarzen Tschadoren hielten rote Schilder
mit der englischen Aufschrift »KILL TRUMP« (Tötet Trump) in die
Höhe. Andere Demonstranten trugen Plakate mit den Gesichtern von
Trump, US-Vizepräsident JD Vance, US-Verteidigungsminister Pete
Hegseth und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Fadenkreuz, versehen mit der Aufschrift »Es wird
Blut fließen«.
Chamenei war am
ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran bei einem Angriff
auf seine Residenz in Teheran getötet worden. Bei dem Angriff am 28. Februar soll auch Chameneis Sohn Modschtaba
Chamenei verletzt worden sein, der später zum neuen obersten Führer
ernannt wurde. Er war seitdem nicht mehr öffentlich aufgetreten. Die USA und Israel führten mehr als fünf Wochen Krieg gegen den Iran, bis sich Vertreter aus
Washington und Teheran Anfang April auf eine Waffenruhe einigten. Im Juni vereinbarten
die USA und der Iran ein vorläufiges Friedensabkommen.
Trauerfeier auch im Nachbarland Irak geplant
An der Prozession in Teheran nahmen auch zahlreiche Chamenei-Anhänger
aus der Region teil, etwa Afghanistan, Syrien, dem Libanon oder Irak.
Im irakischen Kerbela und Nadschaf sind am Mittwoch ebenfalls
Trauerfeierlichkeiten geplant.
Chamenei
regierte den Iran seit 1989 mit harter Hand. Öffentliche Kritik an seiner Person
wurde nicht geduldet. Bei den jüngsten Protesten skandierten
Demonstranten »Tod dem Diktator«. Ein großer Teil der rund 86 Millionen
Einwohner des Iran dürfte der Staatstrauer gleichgültig oder ablehnend
gegenüberstehen.
Irans Behörden sorgen sich offenbar vor erneutem Chaos
Die iranischen Behörden waren um einen
geordneten Ablauf der Trauerfeierlichkeiten bemüht – offenbar auch um ein erneutes Chaos wie bei den Trauerfeierlichkeiten für Chameneis
Vorgänger, Ajatollah Ruhollah Chomeini, im Jahr 1989 zu vermeiden. Damals waren bei
einem Massengedränge während der Trauerfeier mehr als zehn Menschen ums
Leben gekommen und mehr als 10.000 weitere verletzt worden, wie die
iranische staatliche Nachrichtenagentur Irna angibt. Außerdem hatten
seinerzeit zahlreiche Trauernde das Fahrzeug gestürmt, wobei das
Leichentuch zerriss und Chomeinis Leichnam zu Boden fiel.
Die Trauerfeiern hatten am Samstag begonnen und sollen bis Donnerstag dauern. Die Särge Chameneis und seiner Angehörigen sollen im Laufe der Woche für weitere Trauerfeiern
in die iranische Stadt Ghom sowie in zwei schiitische
Pilgerstädte im benachbarten Irak gebracht werden, bevor die
Toten im Imam-resa-Schrein in Maschhad, einem religiösen Zentrum im
Nordosten und Chameneis Geburtsort, beigesetzt werden.
