
Die AfD ist eine widersprüchliche Partei. Ihre Funktionäre werden immer professioneller und effizienter. Sie haben die eigene Partei mehr und mehr im Griff, das sah man bei den Vorstandswahlen am Wochenende in Erfurt. Viele Konflikte wurden schon im Vorhinein diskret abgeräumt. Wenn es trotzdem ruckelte, steckten Landesvorsitzende die Köpfe zusammen und verhinderten Saalschlachten. Die AfD ist längst kein gäriger Haufen mehr, sie ist eine Funktionärspartei geworden.
Wer sich selbst so im Griff hat, könnte vieles tun, zum Beispiel eine staatstragende, verantwortliche Haltung entwickeln. Genau das versuchen Rechtspopulisten vielerorts in Europa. Sie wollen damit ihre Wählbarkeit erhöhen. Auch AfD-Politiker sprechen in ernsten Momenten von einer Verantwortung für das Land. Das lässt aufhorchen, nach allem, was man von der Partei sonst gewohnt ist. Es ist auch die realistischste Hoffnung, die man haben kann: dass die AfD sich mäßigt, wenn es sie schon gibt. Dass die Partei morgen verschwindet oder verboten wird, ist auf kurze Sicht nicht sehr wahrscheinlich.
„Gegen die Interessen unseres Landes“
Die AfD denkt aber nicht daran, sich zu zügeln. Und das, obwohl sie mit ihrer neu entdeckten Disziplin dazu in der Lage wäre. Sie besteht darauf, allein das wahre Volk zu vertreten. Alle anderen sind für sie nur Verräter. Wörtlich sagte die AfD-Vorsitzende Alice Weidel: „Wir machen Politik für die Menschen in diesem Land. Und die anderen machen Politik gegen die Interessen unseres Landes.“ Das ist Unsinn, weil die anderen Parteien Deutschland ja nicht schaden wollen. Sie haben nur eine andere Vorstellung davon, was ihm nützt. Es verrät auch die Interessen der AfD-Wähler, weil ihre Forderungen (zumindest im Bund) nur dann verwirklicht werden können, wenn eines Tages die Brandmauer fiele, und das wird sie nicht, wenn die AfD sich nicht ändert.
Weidel war die Siegerin des Parteitags. Sie hat ihre Kandidaten für den Bundesvorstand durchgesetzt und ihren Ko-Vorsitzenden Tino Chrupalla überflügelt. Wenn sie von Verantwortung träumt, muss sie diese Autorität nutzen, um zu beruhigen. Sonst kann ihre Partei noch lange warten, bis sich jemand in ein Selbstmordkommando namens Koalition mit ihr stürzen würde.
