
Bevor Stefan Möller am Samstag zum Vizechef der AfD gewählt wurde, stellte er sich dem Parteitag vor. Er sei verheiratet, habe zwei Kinder – und einen Deutschen Schäferhund. Einige Delegierte kicherten. Es klang wie ein Code. Mit Codes ist die AfD vertraut; vor der Halle, in der Möller gerade auftrat, verteilte eine AfD-nahe Agentur gerade das Getränk „Monster Energy Ultra White“ an besonders gute Kunden. Der Geschäftsführer erklärte auf Nachfrage offen, dass der „White Monster“ in rechten Subkulturen als Code für „White Supremacy“ gelte.
Möller wiederum ist auf chiffrierte Hinweise nicht angewiesen. Er gilt als engster Vertrauter von Björn Höcke. Den nannte er auf der Bühne ausdrücklich einen Weggefährten und Freund. Dafür spricht auch die lange gemeinsame Arbeit der beiden: Seit 2014 führen sie gemeinsam den Thüringer AfD-Landesverband. Seit dem vergangenen Jahr sitzt Möller auch im Bundestag. In der AfD-Fraktion hat er sich schon einen Ruf als verlängerter Arm Höckes gemacht. Nun soll er auch im Bundesvorstand in dessen Sinne mitwirken. Praktisch für Höcke: „Ich bin dann angeschlossen, ohne selbst die Arbeit machen zu müssen“, hatte er vor einigen Wochen argumentiert.
Von Radikalisierung will Möller nichts bemerken
Doch Möller will sich nicht als ferngesteuert von Höcke präsentieren. Auf dem Parteitag in seiner Geburtsstadt Erfurt gab der 51 Jahre alte Möller sich weniger scharf, als Höcke es Stunden zuvor in seinem Grußwort getan hatte. Es sei „Quatsch“, dass es keine Mäßigung innerhalb der AfD gebe. „Wir wissen mittlerweile: Unser Wähler will gar nicht, dass jeder Migrant das Land verlassen muss.“ Das klang so, als hätte die AfD mal anders gedacht und inzwischen umgeschwenkt. Tatsächlich werden die Forderungen nach „Remigration“, oft ergänzt um „millionenfach“, aber immer lauter.
Von Radikalisierung will Möller nichts bemerken. Im Gegenteil, der Erfolg der AfD beruhe auf „der Erweiterung des Angebots für immer weitere Wählerschichten“. Diese Deutung passt zu einem wichtigen Arbeitsgebiet Möllers, der Auseinandersetzung mit dem Verfassungsschutz. Damit war der Jurist in Thüringen befasst und soll es nach dem Willen der Parteiführung auch im Bundesvorstand sein.
Manche haben allerdings Sorge, dass er dort den „Thüringer Weg“ fortsetzen könnte. Damit ist die Strategie gemeint, sich nicht danach zu richten, was der Verfassungsschutz als extremistisch einstuft. Das kommt bei vielen in der Partei gut an. An der Spitze der Partei sieht man den eigenen Weg – gegen den Verfassungsschutz klagen, allzu extremistische Mitglieder abstrafen – als zielführender an. Das könnte noch zu Konflikten führen.
Doch am Wochenende noch nicht: Möller trat ohne Gegenkandidaten an und bekam mit gut 76 Prozent ein ordentliches Ergebnis.
