Sieben Jahre nach seinem letzten Soloabenteuer darf Nintendos Dino Yoshi endlich wieder selbst die Hauptrolle spielen. Und das freut den Autor dieser Zeilen, Joshi gerufen, ganz besonders. Diesmal verschlägt es den grünen Namensvetter in eine merkwürdig murmelnde Enzyklopädie namens Enzo, deren Inhalte spurlos verschwunden sind. Gemeinsam mit seinen bunten Artgenossen macht er sich daran, die verlorenen Einträge wiederherzustellen.
Nintendofans goutieren, dass es sich im Falle von Yoshi and the Mysterious Book endlich mal wieder um einen Exklusivtitel und kein grafisches Remake eines Switch-1-Titels handelt. Wer ein klassisches Jump ’n’ Run erwartet, liegt allerdings nur teilweise richtig.

Dino Yoshi verfügt weiterhin über schon bekannte Fähigkeiten wie Eierwerfen, Stampfen und Flatterflug, die er hier insbesondere für das Erkunden und Experimentieren braucht. Bei seinen Erkundungen kann Yoshi Kreaturen essen, auf sie springen oder sie sogar huckepack nehmen. Unter Einsatz seiner Fähigkeiten erforscht der kleine Dino alle möglichen Eigenarten der Kreaturen, die sich auf Enzos Seiten tummeln. Manche lassen Blumen erblühen, andere erzeugen Blasen.
Jedes Buchkapitel von Enzo stellt neue Kreaturen vor, deren Eigenschaften erforscht werden müssen. Was passiert, wenn eine Pflanze an einen bestimmten Ort getragen wird? Welche Reaktion löst ein Tier bei einem anderen aus? Und was kann Yoshi mit seiner langen Zunge alles mampfen? Oft führen selbst die absurdesten Ideen zum Erfolg, experimentieren lohnt sich nicht nur, es ist ein Muss.
Genau daraus zieht das Spiel seinen besonderen Reiz. Statt vorgegebene Lösungen abzuarbeiten, geht es um die Neugier, Dinge auszuprobieren und um die Ecke zu denken. Im Vordergrund steht eher lässiges Gameplay, ohne Zeitdruck und mit stets moderatem Schwierigkeitsgrad, was Gelegenheitsspielern oder jüngerem Publikum entgegenkommt.

Echte Hürden entstehen eher durch das Lösen der Rätsel als durch allzu fiese Gegner, anspruchsvolle Bosskämpfe oder schwierige Geschicklichkeitspassagen. Manch einer dürfte die entspannte Zockerei begrüßen. Viele Rätsel ergeben sich aus Kettenreaktionen, die neue Wege eröffnen oder weitere Einträge im Buch freischalten. Das sorgt für zahlreiche Geistesblitze und steigert den Entdeckerdrang.
Optisch setzt Nintendo erneut auf einen unverwechselbaren Stil, hat sich die Serie rund um Yoshi zu einer kreativen Spielwiese entwickelt, Fans denken an die Serientitel Wooly’s World in, genau, Wolloptik, und Crafted World, wo Yoshi in einer Bastelumgebung herumhüpft. Nun tut er dies in absolut liebevoll gestalteter Aquarelloptik, Spielwelten sehen aus wie ein lebendig gewordenes Bilderbuch und stecken voller Details.

Unterstützt wird das Ganze von einem stimmungsvollen Soundtrack und den vertrauten Lauten Yoshis, die Fans das Herz höherschlagen lassen. „Yoshi and the Mysterious Book“ überzeugt mit einer bemerkenswerten Kreativität und kuriosen Kreaturen rund um abwechslungsreiche Flora und Fauna.
Nicht jede Idee zündet gleichermaßen, doch die Fülle an skurrilen Einfällen und charmanten Figuren mit lustigen Namen, sei es Susel Dusel, Stöbflausch, Quarkmatz, Blubborona oder Traubina, macht den Ausflug in Enzos Seiten zu einer unterhaltsamen Reise. Hätten die Entwickler bloß nicht auf den Zwei-Spieler-Koopmodus der Vorgänger verzichtet. Das schmerzt und gibt Punktabzug.
Ansonsten gibt es für rund 60 Euro einen ungewöhnlichen, entspannten und ausgesprochen liebenswerten Auftritt von Yoshi. Liegt wohl am Namen.
