
Pünktlich um 13 Uhr strömen die ersten Besucher ins Freibad Griesheim. Familien, Jugendliche und ältere Badegäste nutzen das sommerliche Wetter. Voll ist das Bad zwar nicht, gut besucht ist es jedoch allemal. Es ist spürbar, dass die Ereignisse noch nachwirken, die Auslöser für eine viertägige Schließung des Freibad waren.
Grund war ein Vorfall vom Sonntag: Nach Angaben der Polizei soll eine 20 Jahre alte Frau in einem Schwimmbecken von einem 28 Jahre alten Mann unsittlich berührt worden sein. Als Bademeister und Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes eingegriffen hätten, habe sich eine körperliche Auseinandersetzung mit einer Gruppe entwickelt. Neben dem 28 Jahre alten mutmaßlichen Täter war ein 25 Jahre alter Mann vorläufig festgenommen worden. Der Bademeister sowie ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes wurden demnach leicht verletzt. Die Ermittlungen dauern an.
Die Folgen reichten über den Polizeieinsatz hinaus. Medial sorgte das Geschehen für einen Aufschrei. Wegen des verletzungsbedingten Personalausfalls konnte der Badebetrieb zudem vorübergehend nicht sicher gewährleistet werden, weshalb das Freibad zunächst geschlossen blieb. Auch am kommenden Montag und Dienstag kann aus Personalmangel nicht gebadet werden, weil der Betrieb am Wochenende die Personalressourcen aufbrauchen dürfte. Das Bad ist in diesem Sommer ohnehin schon nur von 13 bis 20 Uhr geöffnet, da die Gemeinde nicht ausreichend Kräfte für die Wasseraufsicht gefunden hat.
Mehr Sicherheitsmaßnahmen
Griesheims Bürgermeister Geza Krebs-Wetzl (CDU) zeigt sich bei der Wiedereröffnung betroffen von den Ereignissen. „Wir sind alle schockiert“, sagt er. Besonders die mutmaßliche sexuelle Belästigung einer jungen Frau sei „katastrophal“. Ebenso erschütternd sei der Angriff auf Bademeister und Sicherheitskräfte gewesen. Die Stadt habe deshalb ihr Sicherheitskonzept angepasst. Die Stadtpolizei werde regelmäßig Streifenwagen zum Freibad entsenden. Zudem sei der Kontakt zur Landespolizei intensiviert worden.
Viele Besucher können die vorübergehende Schließung nachvollziehen. Eine ältere Griesheimerin spricht von einer „traurigen“ Situation, betont aber zugleich: „Ich habe volles Verständnis.“ Das Bad habe ohnehin seit Längerem Personalprobleme. Besonders leid täten ihr die Mitarbeiter, die den Vorfall unmittelbar erlebt hätten. „Die haben es am wenigsten verdient“, sagt sie.
Eine andere ältere Frau sagt beim Betreten des Freibads: „Armes Deutschland, was soll man da noch sagen? Da hilft nur eins. Und das wird kommen.“ Ob das als politische Anspielung zu verstehen sei, will sie dann aber nicht erläutern.
Für viele jüngere Besucher überwiegt Freude über die Wiedereröffnung. Eine Jugendliche aus Griesheim, die das Freibad regelmäßig besucht, bezeichnet die Schließung als „ein bisschen blöd“. Sie könne zwar nachvollziehen, warum das Bad geschlossen worden sei, gerade in der ersten Woche der Sommerferien habe sie das Freibad jedoch sehr vermisst.
Am Freitagnachmittag kehrt das Geschehen auf den Liegewiesen und an den Becken weitgehend zur Normalität zurück, soweit das sichtbar ist – der Vorfall vom vergangenen Wochenende bleibt unter den Besuchern Gesprächsthema.
