Der Drohnenhersteller Quantum Systems hat finanziell deutlich aufgerüstet. Am Donnerstag gab das Start-up den Abschluss einer Finanzierungsrunde über 1,2 Milliarden Dollar bekannt. Damit wird das von dem ehemaligen Bundeswehroffizier Florian Seibel im Jahr 2015 gegründete Unternehmen mit acht Milliarden Dollar bewertet. Gegenüber der zurückliegenden Finanzierungsrunde hat Quantum seinen Wert mehr als verdoppelt. Es ist die zweitgrößte Finanzierungsrunde eines deutschen Unternehmens überhaupt. Erst vor wenigen Wochen hatte der Robotikhersteller Neura Robotics aus Metzingen 1,4 Milliarden Euro von Investoren eingeworben. Seibel wertete die Finanzierungsrunde als eine gute Nachricht für die deutsche Rüstungsbranche und die europäische Start-up-Landschaft. Sie sei eine der größten Finanzierungsrunden in Europa gewesen. Sie zeige, dass man aus Deutschland heraus viel Kapital aufnehmen könne.
Unter internationalen Investoren ist das Interesse gerade besonders groß an technologiegetriebenen Unternehmen im deutschen Verteidigungssektor. Vergangene Woche erst hatte Stark Defence eine Finanzierung über 500 Millionen Euro bekannt gegeben. Die Berliner haben neben dem Münchner Wettbewerber Helsing zu Beginn des Jahres von der Bundeswehr den Auftrag zur Lieferung Tausender Kampfdrohnen bekommen. Helsing, das anders als Quantum oder Stark ausschließlich auf europäische Investoren zählt, zu denen auch Spotify-Gründer Daniel Ek gehört, arbeitet derzeit ebenfalls an einer neuen Finanzierungsrunde. Laut Medienberichten käme das ohnehin schon wertvollste europäische Verteidigungs-Start-up dann auf eine Bewertung von rund 18 Milliarden Dollar.
Börsengang ist aktuell kein Thema
Zu den Investoren der nun von Quantum abgeschlossenen Finanzierungsrunde zählen der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus sowie die Finanzinvestoren Blackstone, Advent und Noteus. Auf der Luft- und Raumfahrtmesse ILA Mitte Juni in Berlin haben Airbus und Quantum gerade erst eine Kooperation vereinbart, wonach Kampfhubschrauber von Airbus mit Drohnenabfangsystemen von Quantum ausgestattet werden sollen. Die Finanzierung spiegelt nach Unternehmensangaben das starke Umsatzwachstum, die nachgewiesene Profitabilität sowie den Anspruch des Unternehmens wider, mit seiner Multi-Domain-Strategie eine neue Kategorie im Verteidigungsmarkt zu prägen.
Florian Seibel ging nicht näher auf Spekulationen über einen möglichen Börsengang ein. Richtig sei, dass das Unternehmen seine Fähigkeit für einen solchen Schritt geprüft habe. Er ließ aber offen, ob und wann es dazu kommt. Mit der jüngsten Finanzierung verfüge das Unternehmen nun über substanzielle Feuerkraft für das Wachstum in den kommenden Jahren. Die Mittel will Quantum in den Ausbau von Produktionskapazitäten, die Absicherung der Lieferketten, die Skalierung der Lieferinfrastruktur in verbündeten Märkten sowie die Weiterentwicklung in Software und Künstlicher Intelligenz (KI) investieren. Das Unternehmen baut derzeit etwa in der Ukraine oder in Rumänien neue Produktionskapazitäten auf.

Auch zu Überlegungen einer Übernahme von oder Fusion mit Stark hielt er sich bedeckt. Seibel trieb die Gründung von Stark einst selbst voran, weil ihm seine Investorenstruktur bei Quantum die Entwicklung von Angriffswaffen unmöglich machte. Bis heute ist er dort investiert. Zusammen seien die Unternehmen mehr als zehn Milliarden Euro wert, meinte er am Donnerstag, und es gebe wenig Überlappungen. Vielleicht lege man irgendwann beides zusammen, vielleicht auch nicht.
Quantum Systems wurde schon vor mehr als zehn Jahren gegründet und stellte zunächst Aufklärungsdrohnen für zivile Zwecke her. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine stieg das Unternehmen in die Rüstung ein. Seibel führt das Unternehmen heute zusammen mit Ko-Chef Sven Kruck. Am Donnerstag wiederholte er das Credo des Unternehmens, wonach die Zukunft unbemannt ist: „Verteidigung wird künftig durch autonome Systeme geprägt, die in Echtzeit über verschiedene Einsatzbereiche hinweg zusammenarbeiten.“
Maritimes System für September angekündigt
Quantum möchte in die Riege der etablierten Rüstungskonzerne vorstoßen und damit ein „Neo-Prime“ werden. Dazu wird auch die Modellpalette mit großem Tempo erweitert. Zu den Aufklärungsdrohnen sind mittlerweile Abfangdrohnen hinzugekommen, im Frühjahr folgte ein unbemanntes Bodenfahrzeug, und auf der ILA-Messe stellten die Quantum-Chefs im Beisein von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ihr Mehrzweckflugzeug PULSE P19 vor, das mit oder ohne Pilot fliegen kann und dessen Erstflug für 2027 geplant ist.
Herzstück von Quantum ist – wie bei den meisten Konkurrenten – die eigene Betriebssoftware für unbemannte Fahrzeuge. Damit sollen Manöver zu Lande, zu Wasser oder in der Luft zunehmend schnell durchgeführt werden (Multi-Domain). In diesem Zusammenhang machte Seibel am Donnerstag eine Ankündigung: Wahrscheinlich im September werde das Unternehmen ein maritimes System vorstellen. Damit wäre die letzte große Lücke geschlossen.
Quantum hat nun insgesamt knapp zwei Milliarden Dollar an Finanzierung eingesammelt. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz nach Aussage von Finanzvorstand Jonas Jarosch 300 Millionen Euro. Seibel zeigte sich zuversichtlich, dass der Umsatz im laufenden Jahr verdoppelt werden könne. Nach seiner Aussage zählt Quantum zu den wenigen Rüstungs-Start-ups, die schon profitabel sind. „Rheinmetall wäre über unsere Profitabilität glücklich“, fügte er als kleinen Seitenhieb auf den Marktführer hinzu. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern hatte im vergangenen Geschäftsjahr eine operative Gewinnmarge von 18,5 Prozent erzielt.
„Moderne Gefechte werden durch Entscheidungsgeschwindigkeit gewonnen“
„Wir sind profitabel, weltweit im Einsatz und verfügen mit der jüngsten Finanzierungsrunde nun über mehr als 1,2 Milliarden Dollar an zusätzlicher Schlagkraft, um unsere Strategie konsequent umzusetzen“, zeigte sich Seibel für die weitere Entwicklung zuversichtlich. „Quantum Systems hat ein Finanzprofil aufgebaut, das im Verteidigungsbereich neue Maßstäbe setzt: dreistelliges Wachstum, zweistellige Profitabilität und disziplinierte Umsetzung in der Skalierung“, sagte Jarosch.
Der Chef von Airbus Defence and Space, Michael Schöllhorn, will mit Quantum künftig die Zusammenarbeit vertiefen. Zentrale Kompetenzen in Architektur, Software und KI sollen gebündelt und damit der Aufklärungs- und Wirkungsverbund über die gemeinsamen Portfolios hinweg beschleunigt werden. „Moderne Gefechte werden durch Entscheidungsgeschwindigkeit gewonnen, also durch die Fähigkeit, große Datenmengen aus der Luft, vom Boden und aus dem Weltraum schneller zu erfassen, zu verarbeiten und zusammenzuführen als der Gegner. Autonome Systeme sind entscheidende Kräfteverstärker, die sich rasant weiterentwickeln“, sagte Schöllhorn.
