Der deutsch-französische Panzerbauer KNDS schiebt seinen Börsengang angesichts der
Wertverluste bei Rüstungsaktien auf. Das Unternehmen wolle angesichts der »Volatilität des europäischen
Verteidigungssektors« auf »günstigere Marktbedingungen« warten. Die
Aktionäre hätten dem Unternehmen mitgeteilt, sie wollten die
Börsenpläne erst wieder aufnehmen, wenn sich das Marktumfeld für
Rüstungsaktien in Europa wieder verbessert habe, teilte KNDS mit.
Der Börsengang von KNDS
in Paris und Frankfurt am Main war in der vergangenen Woche angekündigt
worden und sollte den Einstieg des Bundes bei dem Rüstungskonzern
ermöglichen. »KNDS und seine
Aktionäre werden die Bedingungen an den Kapitalmärkten weiterhin genau
beobachten«, hieß es in der Erklärung des deutsch-französischen
Rüstungskonzerns. Das Unternehmen stehe bereit, »den Börsengang wieder
aufzunehmen, sobald die Marktbedingungen dies zulassen«.
Rüstungsbranche unter Druck
Die Rüstungsbranche war an der Börse zuletzt unter Druck
geraten. Der Rivale Rheinmetall, den viele Investoren
als besten Vergleichsmaßstab für KNDS sehen, hatte in den
vergangenen Tagen stark an Wert verloren. Auch die Aktien des
seit Jahresbeginn in Amsterdam gelisteten tschechischen
Rüstungskonzerns CSG werden weit unter dem Ausgabepreis
gehandelt.
Die Vorbereitungen seien praktisch abgeschlossen, in den
Gesprächen mit Investoren habe sich gezeigt, dass diese auch von
der langfristigen Strategie von KNDS überzeugt seien, teilte der Hersteller der Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc sowie
anderer militärischer Landfahrzeuge.
Die Financial Times hatte aber berichtet, dass wichtige Investoren mitgeteilt hätten,
sie sähen die Bewertung des Unternehmens beim Börsengang nur bei
rund zwölf Milliarden Euro. Banker hatten dagegen 15 Milliarden
Euro für realistisch gehalten, vor einigen Monaten war sogar
noch von bis zu 20 Milliarden die Rede. Laut Financial Times sind die
deutschen Eigentümerfamilien nicht bereit, eine Bewertung von
weniger als 12,5 Milliarden hinzunehmen. Ein Sprecher wollte
sich dazu nicht äußern.
Bundesregierung hält an Einstieg fest
Die Bundesregierung hält trotz
der Verschiebung des Börsengangs an ihrem geplanten
Einstieg bei dem KNDS fest. »Die
Bundesregierung respektiert die Entscheidung des Unternehmens,
den Börsengang zu pausieren«, teilte eine Sprecherin des
Bundeswirtschaftsministeriums mit. Die Bundesregierung sei aber
»weiterhin daran interessiert, gemeinsam mit den französischen
Partnern, das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft führen«.
Man sei weiter in Gesprächen mit den Familien.
Dem Bund geht es
darum, die gleichen Einflussrechte zu haben wie Frankreich.
»Diese sichern einerseits den Schutz der beiderseitigen
Sicherheitsinteressen auf Augenhöhe und legen andererseits die
Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens«,
sagte die Sprecherin.
Grüne sprechen von einem »Desaster«
Der genaue Preis, den der Staat für das Anteilspaket
zahlen will, ist an den Emissionspreis für die Aktien geknüpft,
mit einem Paketzuschlag und einem möglichen Nachschlag, wenn die
Papiere nach der Erstnotiz zulegen. Maximal wären das rund 7,2
Milliarden Euro. Die Verhandlungen zwischen dem
Bundeswirtschaftsministerium und den Eigentümerfamilien hatten
sich bis in den Juni hingezogen und einen schnelleren Börsengang – unter möglicherweise besseren Bedingungen – blockiert.
Der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Sebastian
Schäfer, sprach von einem »Desaster für die Bundesregierung«.
Das sei das Ergebnis einer strategielosen Industriepolitik und
der Gier einer Milliardärsfamilie, die den Staat in dieser
Sicherheitslage im Schwitzkasten halte. »Nun macht die
Besitzerfamilie von KNDS einen Rückzieher, weil ihnen
offenkundig der Milliardenerlös noch nicht ausreicht.«
