
Die historische Hitzewelle der vergangenen Tage hat beim regionalen Versorger Hessenwasser zu neuen Spitzenwerten beim Trinkwasserverbrauch geführt. Am vergangenen Donnerstag hat das Unternehmen knapp 441.000 Kubikmeter Trinkwasser abgegeben, so viel wie noch nie zuvor an einem Tag. Und auch am Samstag wurden trotz des Beginns der Schulferien noch mehr als 427.000 Kubikmeter von den rund zwei Millionen Bürgern des Rhein-Main-Gebiets verbraucht, die über Hessenwasser mit Trinkwasser versorgt werden. Erst am Sonntag sank der Verbrauch etwas. Der bisherige Rekordverbrauch lag bei 426.000 Kubikmeter an einem Sommertag im Jahr 2019.
Während Hessenwasser diese Wassermengen problemlos bereitstellen konnte, ist es dennoch im Rhein-Main-Gebiet in der Wasserversorgung zu Engpässen gekommen. „Für uns als Vorlieferanten ist die Abdeckung des Spitzenbedarfs kein Problem“, teilte Hessenwasser-Geschäftsführerin Elisabeth Jreisat mit. Die eigentliche Herausforderung liege in solchen Heißwetterphasen in den technischen Kapazitäten von Wasserwerken, Speichern, Pumpwerken und Transportleitungen. Das haben in den vergangenen Tagen die Bürger der Stadt Offenbach und von Teilen des Landkreises Offenbach zu spüren bekommen: Am Wochenende hat Offenbach den Wassernotstand ausgerufen.
Ausnahmesituation, die sich wiederholen kann
Es ist eine Ausnahmesituation gewesen – aber sie kann sich nach Einschätzung der Verantwortlichen wegen der Folgen des Klimawandels wiederholen. Denn wegen der Hitzewelle war der Verbrauch in den betroffenen Gebieten auf einen Höchststand gestiegen, die Trinkwasserversorgung in Offenbach und weiten Teilen des Landkreises konnte nicht mehr sichergestellt werden. Am Wochenende entspannte sich dann die Lage. Als Gründe nannte Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) zum einen den Beginn der Sommerferien und der Reisewelle, zudem hätten offenbar auch die Aufrufe zum Wassersparen gefruchtet. Auch durch den Zukauf von Wasser bei anderen Versorgern, wie etwa bei Hessenwasser, habe man den Bedarf decken und die Speicher wieder auffüllen können.
Zuständig ist in diesem Fall der Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO), ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadt und des Kreises. Sein Versorgungsgebiet reicht über Stadt und Kreis Offenbach hinaus, auch die Hanauer Stadtteile Steinheim und Klein-Auheim zählen dazu. Geplant ist allerdings von den Stadtwerken Hanau, deren Wasserversorgung künftig zu übernehmen. Der Zweckverband Wasserversorgung Offenbach betreibt mehr als 100 Brunnen in der „Hanau-Seligenstädter Senke“, in der das Grundwasser in Richtung des Mains fließt.
Hessenwasser gibt Entwarnung
Die Brunnen hatten zum Ende der vergangenen Woche nicht mehr genügt, die Wassergewinnung erreichte ihre Kapazitätsgrenze. Daher habe man die Zukäufe bei anderen Versorgern kurzfristig erhöhen müssen, um die Hochbehälter in den Nächten wieder aufzufüllen. Die Hochbehälter dienen als Speicher und stabilisieren das Netz in Spitzenzeiten, also dann, wenn zur selben Zeit besonders viel Wasser benötigt wird – vor allem frühmorgens und am Abend.
Schon am Mittwoch hatte Offenbach einen Krisenstab eingerichtet, um sich auf den möglichen Ausfall der Wasserversorgung einzustellen. Zudem habe man Weichen gestellt, um künftig besser auf vergleichbare Lagen eingerichtet zu sein. So werde analysiert, welche zusätzlichen Daten erhoben werden sollen, um genauere Prognosen zur Wasserversorgung abgeben zu können. Dazu zähle zum Beispiel der Einbau digitaler Zähler bei Großverbrauchern und die Verzahnung mit den Angaben des Deutschen Wetterdiensts, um in Echtzeit ein besseres Lagebild zu bekommen, teilte die Stadt Offenbach mit.
Der regionale Trinkwasserversorger Hessenwasser gibt mit Blick auf die Verbraucher Entwarnung. In der Rhein-Main-Region sei ein leistungsfähiges Leitungsverbundsystem etabliert, das über die verschiedenen Wasserwerke und Gewinnungsgebiete hinweg miteinander vernetzt sei. Dadurch könnten Fördermengen flexibel gesteuert und fehlende Kapazitäten in einzelnen Gewinnungsgebieten ausgeglichen werden.
Für Geschäftsführerin Jreisat macht die Hitzewelle aber auch deutlich, dass Versorgungssicherheit in Zeiten von Spitzenlasten langfristig neu gedacht werden müsse. Entscheidend sei, die Wasserinfrastruktur in der Region gezielt widerstandsfähiger zu machen. „Als Vorversorger für das Rhein-Main-Gebiet rufen wir alle zu einem bewussten Umgang mit der wertvollen Ressource Trinkwasser auf – gerade in heißen Zeiten.“
