
Also sprach Christian Streich in seiner kehligen Mundart über den deutschen Nationalstürmer Leroy Sané: „Wenn er die Läufe macht, muss er spielen. Wenn er sie nicht macht, wenn Musiala sie nicht macht, wenn Wirtz sie nicht macht, dürfen sie nicht spielen.“
Viel ist in den vergangenen beiden Wochen der Fußball-Weltmeisterschaft über die Aufstellung der deutschen Mannschaft gesprochen worden. Oft wurde dabei darauf hingewiesen, nicht zuletzt durch den Bundestrainer, dass die Offensivspieler eben auch Aufgaben in der Verteidigung haben. Aber kaum einer vermochte das und die anderen Fragen, die die Fußballnation umtreiben, so prägnant und zugleich leidenschaftlich auf den Punkt zu bringen wie Streich.
Der Südbadener hat nach einer unauffälligen Karriere als Profifußballer einen ungewöhnlich dauerhaften Erfolg als Jugend- und dann Profitrainer bei einem einzigen Verein erreicht, dem seiner Heimat nahen SC Freiburg. Nach zwölf Jahren als Cheftrainer, in denen er sogar einen Abstieg verantworten durfte, ohne entlassen zu werden, um sogleich wieder in die Erste Bundesliga aufzusteigen, hat Streich vor zwei Jahren die Fußballbühne verlassen. Zur WM betrat er sie nun als Kommentator wieder, das ZDF engagierte ihn für seine Plauderrunde.
Das Kumpelhafte geht ihm wohltuend ab
Der Sender setzte dabei zweifellos auf Streichs Kultstatus beim Publikum. Den hat Streich nicht nur durch seine mit Erfolgen beglaubigte fachliche Kompetenz erlangt, sondern auch schon als Trainer durch eigenwillige Aussagen und Formulierungen nicht nur über den Fußball im engeren Sinne. Die Neigung zum gelegentlichen Raunen, etwa über die Macht der Finanzen, hat er auch als Kommentator nicht abgelegt. Aber insgesamt ist er eine Bereicherung auf dem Bildschirm, auch weil ihm (wie übrigens auch den meisten weiblichen Teilnehmern) das Kumpelhafte abgeht, dem die Ehemaligen sonst allzu leicht erliegen.
Frage des Moderators an den Trainer: Würde er Undav von Anfang an spielen lassen? Antwort Streich: „Ich würde . . . erst einmal ein paar Stunden nachdenken.“ Damit hat er die Lacher auf seiner Seite. Aber Streich drückt sich auch nicht vor der Antwort, mit der er dem vermeintlichen Volkswillen widerspricht: Er würde weiterhin den erfolgreichsten deutschen Torschützen der bisherigen WM „irgendwann einwechseln“. So wie er es selbst einst mit dem erfolgreichsten Freiburger Torschützen Petersen gehalten hatte: Wenn der immer von Anfang an gespielt hätte, „hätt er nid so viel Tore geschosse“. Da Deutschland trotz der Niederlage gegen Ecuador in die nächste Runde gelangt ist, wird Streich nächsten Montag wieder auf Alemannisch die deutsche Aufstellung kommentieren dürfen.
