
Wer wissen möchte, warum Iraner und Amerikaner wieder aufeinander schießen, obwohl sie doch angeblich Friedensgespräche miteinander führen wollen, kann nachschlagen bei Clausewitz. Denn die Definition vom Krieg, die der preußische Militärtheoretiker vor 200 Jahren gegeben hat, ist so gültig wie seine Ableitungen daraus, jedenfalls die grundsätzlichen.
Krieg ist demnach ein Akt der Gewalt, den jemand anwendet, um den Gegner zur Erfüllung seines Willens zu zwingen. Dafür muss der Kriegführende den Gegner vollständig niederwerfen oder ihn wenigstens in eine Situation bringen, in der ihn eine weitere Gegenwehr ein höheres Opfer kostet als das, das der Kriegführende ihm abverlangt. Und, das ist hier das Entscheidende: Die nachteilige Situation darf „nicht vorübergehend sein, sonst würde der Gegner den besseren Zeitpunkt abwarten und nicht nachgeben“. Und da kommt es nur auf den Anschein an.
Von Beharrlichkeit und Ausdauer
Für das Regime in Teheran muss es den Anschein haben, dass die Nachteile, die die USA ihm zufügen können, allenfalls vorübergehend sind. Für Trump sieht es umgekehrt aus. Daher hat er sich auf eine Vereinbarung eingelassen, die Iran fast alles gibt, was es möchte, und die in dem, was sie nicht gibt, so vage formuliert ist, dass jede Seite sie nach eigenem Gutdünken auslegen kann. So wie es jetzt die Iraner mit der Frage tun, in welchem Ausmaß sie schon während der Verhandlungen Kontrolle über die Straße von Hormus ausüben.
Trump steht nicht im Verdacht, sich mit alteuropäischen Kriegstheoretikern beschäftigt zu haben. Aber er hat nun auf seinem Lieblingskanal die einzige Drohung ausgestoßen, deren Verwirklichung die Revolutionswächter als Nachteil im clausewitzschen Sinn ansähen: nicht das Leiden der Bevölkerung, nicht einmal der eigene Tod, aber das Ende der Islamischen Republik. Also Regime Change. Nur fehlt es dazu an der geforderten Beharrlichkeit, denn es kann „nur eine große Willenskraft ans Ziel führen, die sich in einer von Welt und Nachwelt bewunderten Ausdauer kundtut“.
