Beim Absturz eines zivilen Flugzeugs in Nordostfrankreich sind am Sonntag elf Menschen ums Leben gekommen. Wie französische Medien unter Bezug auf Rettungskreise berichteten, handelte es sich um den Piloten sowie zehn Fallschirmspringer. Das Flugzeug war vom Flugplatz Nancy-Essey gestartet. Weitere Details zum Hergang lagen zunächst nicht vor.
Laut „L’Est Republicain“ sollen sich an Bord fünf Pflegekräfte befunden haben, die einen Tandem-Fallschirmsprung machen wollten. Unter den Todesopfern waren demnach neben dem Piloten auch fünf Fallschirmlehrer. Nach Angaben der Behörden wurde der Bereich um die Unglücksstelle in Tomblaine weiträumig abgesperrt. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste sind mit einem Großaufgebot im Einsatz, um die Bergungsarbeiten zu unterstützen und den Unfallhergang zu rekonstruieren. Auch die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.

Es handelt sich bereits um das zweite tragische Unglück mit einer PC-6 Turbo Porter in letzter Zeit. Am 12. Dezember 2022 war ein Flugzeug dieses Typs kurz nach dem Start vom griechischen Flughafen Heraklion auf Kreta ins Mittelmeer gestürzt. Dabei kam einer der beiden Piloten ums Leben. Die erst wenige Tage zuvor vom Schweizer Flugzeugbauer Pilatus fabrikneu ausgelieferte Maschine gehörte der indonesischen Airline Smart Aviation.
Es war die letzte neu gebaute Maschine dieses Typs. Denn die Produktion in der Schweiz endete im Dezember 2022. Die PC-6 Porter war 63 Jahre lang als Universalflugzeug bei Pilatus in Produktion: Am 4. Mai 1959 hob der Prototyp des Ganzmetallflugzeugs zum ersten Mal ab. Die kurzstarttaugliche Maschine gilt als universell einsetzbar. Sie lässt sich auf „Ski“ zum Gletscherfliegen stellen oder auf „Schwimmer“ für Wasserflug. Piloten lernen auf der PC-6 das Fliegen oder setzen damit Fallschirmspringer ab. Als Sprühflieger in der Landwirtschaft oder als Feuerlöschflugzeug taugt sie ebenfalls. Bis zu zehn Passagiere, maximal 1200 Kilo Fracht, Ambulanzliegen oder ein Mix aus allem passen in die Maschine.
Das Risiko bei Fallschirmsprung-Absetzflügen ist größer als im normalen Reiseflugbetrieb. Denn zum Absetzen der Springer fliegt die Maschine mit offener Tür langsamer und damit näher an der Geschwindigkeit eines möglichen Strömungsabrisses. Außerdem kam es mehrfach vor, dass ein Springer gegen das Leitwerk der Absetzmaschine prallte oder ein Schirm vorzeitig aufging und sich im Leitwerk verhedderte. Beides kann das Flugzeug zum Absturz bringen. Daher haben auch die Piloten derartiger Flugzeuge selbst einen Fallschirm angelegt.
