
Seit fast zehn Tagen hat die Hitze Deutschland, Hessen und das Rhein-Main-Gebiet fest im Griff. Abgesehen von einzelnen Tagen, an denen die Höchstwerte etwas weniger extrem ausfielen, herrschen seit Mitte des Monats Temperaturen weit jenseits der 30-Grad-Marke, mancherorts wurden in der Spitze 38 Grad und mehr gemessen. Die Meteorologen sprechen von einer nicht nur für den Juni, sondern auch in ihrer Intensität und Stabilität sehr außergewöhnlichen Hitzewelle. So heiß wie derzeit ist es hierzulande üblicherweise erst im Juli oder August, und auch dann meist nur für ein paar Tage und nicht zwei Wochen und länger.
Außer den täglichen Warnungen vor hoher oder extremer Hitzebelastung hat der Deutsche Wetterdienst in Offenbach in den vergangenen Tagen auch immer wieder Warnungen vor Hitzegewittern und möglicherweise unwetterartigem Starkregen ausgesprochen. Solche heftigen Regenschauer und Regengüsse sind eine bekannte Begleiterscheinung von sommerlicher Hitze, mitunter formen sie sich – wie beispielsweise vor zehn Jahren im Sommer 2016 – zu einer wahren „Unwettersaison“, wie die Meteorologen es damals formulierten. Immer wieder zogen kräftige Gewitter auf, entlud sich massiver Starkregen, fegten Orkanböen über das Land und liefen irgendwo Keller, Unterführungen oder U-Bahn-Stationen voller Wasser. Auch in den Jahren danach blieb das Rhein-Main-Gebiet nicht von solchen sommerlichen Unwettern verschont, und auch in anderen Regionen Hessens und Deutschlands sind derartige Extremwetterlagen keine Seltenheit.
Die Atmosphäre muss sich irgendwann entladen
Die Wahrscheinlichkeit von heftigen Gewittern und starken Niederschlägen ist im späten Frühjahr und Sommer besonders hoch, weil die Temperaturen steigen, die Sonneneinstrahlung immer stärker wird, warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann – und sich das alles irgendwann entladen muss: mal als mächtiger Landregen, mal mit Blitz und Donner und mitunter als heftiges Unwetter.
Bei der Beobachtung und Bewertung dieser Wetterphänomene sehen die Meteorologen zwar keine massive Häufung, die meisten Experten sind sich jedoch einig, dass die Ausschläge heftiger werden. Und die meisten schreiben das dem Klimawandel zu. Forscher sagen als dessen Folge schon seit Jahren nicht nur steigende Durchschnittstemperaturen, heißere Sommer und mildere Winter voraus, sondern auch längere Trockenperioden und größere Niederschläge, also insgesamt extremere Wetterlagen wie Hitzewellen, Dürren, Stürme, Starkregen und Überflutungen. Dabei sind ungewöhnlich heftige Niederschläge, die wie die Monsun-Regenfälle in tropischen Ländern ungewöhnlich lange anhalten und besonders große Wassermassen bringen, die Kehrseite der prophezeiten heißeren und trockeneren Sommer in Mitteleuropa.
Ein Grund für die katastrophalen Folgen, die solche Unwetter haben können, ist, dass Starkniederschläge dieser Art fast immer extrem lokal niedergehen. Gewitter sind nämlich fast immer sehr „kleinräumige Phänomene“, wie die Meteorologen sagen. So können Orte, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind, vollkommen unterschiedlich betroffen sein. Deshalb sind solche Wetterereignisse auch besonders schwer vorherzusagen, selbst mit den modernen Methoden der Meteorologie.
Dank moderner Technik und extrem komplexer Rechenmodelle können die Experten inzwischen zwar die Wahrscheinlichkeit von Unwettern recht gut berechnen. Eine exakte Vorhersage, wo genau und mit welcher Wucht sich ein Wolkenbruch entladen wird, ist aber immer noch nicht möglich. Einer der Meteorologen vom Wetterdienst in Offenbach hat eine solche Gewitterlage einmal mit einem Topf mit kochendem Wasser verglichen: „Man weiß, dass es sprudelt und Bläschen aufsteigen. Aber man hat keine Ahnung, ob die nächste Blase in der Mitte oder am Rand hochkommt.“
