Die italienische Ministerpräsidentin kann charmant und herzlich sein oder hart und kalt. Ihre unerbittliche Seite hat sie gerade jenem Mann gezeigt, dem sie lange eng verbunden schien: Donald Trump.
2025 war Meloni als einzige europäische Regierungschefin zu dessen Amtseinführung eingeladen, bei ihrem Antrittsbesuch im Weißen Haus nannte er sie „eine Freundin“. Als der amerikanische Präsident mit der EU über Zölle stritt, galt Meloni als Trump-Flüsterin, als eine Brückenbauerin zwischen den USA und Europa.
Meloni wirft Trump Lügen vor
Aber mit dem Irankrieg bekam das Verhältnis Risse. Trump erwartete Gefolgschaft, Italien ächzte jedoch unter den finanziellen Folgen des Kriegs, und Melonis Regierung untersagte deshalb amerikanischen Bombern die Landung auf dem Luftwaffenstützpunkt Sigonella.
Seinen Ärger darüber ließ der US-Präsident Meloni nun spüren, auf demütigende Weise. Sie habe ihn beim G-7-Gipfel in Évian um ein gemeinsames Foto angebettelt, behauptete er. Um ihren sinkenden Beliebtheitswerten etwas entgegenzusetzen. Meloni reagierte schnell und entschlossen. Ihre Beliebtheit gehe Trump gar nichts an, und mit ihm befreundet zu sein, sei für diese bestimmt nicht förderlich, schrieb sie in einer englischen Nachricht auf Instagram.
Mit einer Videobotschaft legte sie nach. Das, was Trump über sie gesagt habe, sei „komplett frei erfunden“. Es sei bedauerlich, dass Trump mit seinen Verbündeten härter ins Gericht gehe als mit den Feinden des Westens. Am Ende ihrer Nachricht senkte Meloni die Stimme. Eines müsse dem Präsidenten der USA klar sein, „ich und Italien, wir betteln niemals“.
Die zarte Drohung, die dabei in ihrer Stimme mitschwang, dürfte kein Zufall gewesen sein. Da wollte jemand zeigen, dass er sich nicht herumschubsen lässt von einem Alphatier wie Trump. Das kann man nach der Vorgeschichte der beiden unglaubwürdig finden und inkohärent, wie einige in der italienischen Opposition. Oder schlicht lächerlich, mit Blick auf die Machtverhältnisse zwischen dem großen Amerika und dem kleinen Italien.
Meloni hat ihre Strategie geändert
Bisher dominieren in den Umfragen zwar Melonis Brüder Italiens mit deutlichem Abstand, aber Vannacci konnte in kurzer Zeit Boden gutmachen. Er macht Stimmung gegen die Ministerpräsidentin, geißelt ihre Politik als nicht rechts genug.
Meloni hat in dieser Situation also klug gehandelt. Die Italiener vertrauen Trump und den USA immer weniger. Es wird ihr also ein Jahr vor der Parlamentswahl nicht schaden, sich gegen Trumps großes männliches Ego zu stellen.
