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Heute
Abend ist es so weit: Deutschland bestreitet gegen Ecuador das letzte
WM-Spiel der Gruppenphase. Mir hat vor langer Zeit ein Bekannter
geraten, im Zweifel auf ein 2:1 zu tippen. Tatsächlich war das laut Fifa bislang
nur der zweithäufigste Endstand bei WM-Spielen. 182-mal war nach einem
1:0 Schluss, 152-mal gingen die Spieler nach einem 2:1 vom Platz. GPT-5.5 tippt bei mir dennoch
für heute Abend auf ein 2:1 für Deutschland. Als mögliche Torschützen
für Deutschland nennt es Kai Havertz und Jamal Musiala, für Ecuador
treffe Enner Valencia. Diese Vorhersage sei aber sehr unsicher, schränkt
das Sprachmodell ein. Im Zweifel können Sie auch die tierischen Orakel der diesjährigen WM zurate ziehen – beispielsweise den Ameisenbär Taio.
Möglicherweise lässt der sich mit ein paar Mehlwürmern auch leichter zugunsten Ihrer favorisierten Mannschaft umstimmen als eine KI.
Das müssen Sie wissen: Chinas neuer Supercomputer überholt die US-Konkurrenz
Das globale KI-Wettrüsten hat einen neuen Superlativ-Status erreicht. Im Ranking der schnellsten Supercomputer der Welt soll China die USA überholt haben. Das neue System heißt LineShine
und hat El Capitan, den bislang führenden US-Supercomputer, vom
Spitzenplatz der Weltrangliste verdrängt. Damit führt China erstmals seit 2017 die Liste an. Was besonders brisant an der Meldung ist: LineShine soll ausschließlich auf chinesischen Standardprozessoren laufen – und nicht auf den sonst üblichen Grafikprozessoren.
Trotzdem soll LineShine eine deutlich höhere Rechenleistung erzielen. Die umfasst laut der TOP500-Liste mehr als zwei Trillionen Rechenoperationen pro Sekunde. Zum Vergleich: Der neue Supercomputer in Jülich, der im vergangenen Jahr mit viel politischem Tamtam eingeweiht wurde, schafft eine Trillion Rechenoperationen pro Sekunde. Rechenleistung
ist wichtig, um KI-Modelle trainieren und betreiben zu können. Während
in China und den USA massiv in Rechenkapazitäten investiert wird, hinkt Europa hinterher, warnen Experten.
Die eindrucksvollen Zahlen, die jetzt aus China gemeldet werden, wecken allerdings Zweifel, berichtet unter anderem die deutsche Technachrichtenseite Golem.
Zwar sei so ein Bau wie der in Shenzhen technisch »durchaus
realisierbar«, schreibt Autor Johannes Hiltscher. Dass der Supercomputer
nun massenhaft nachgebaut werden könnte, bezweifelt er aber. Zu teuer
und zu ineffizient sei das System vermutlich. Unklar bleibt am Ende auch, wie aussagekräftig die Liste der schnellsten Supercomputer ist. Viele Rechner, wie etwa Colossus von Techbillionär Elon Musk, werden dort nicht gelistet.
Shine oder nicht sein:
US-Präsident Donald Trump hat gleich Anfang der Woche verkündet, im
technologischen Wettrüsten mit China nachziehen zu wollen und mehrere neue Dekrete unterzeichnet.
Darüber sollten Sie nachdenken: Wie gut ist Pangram?
Meine Kollegin Eva Wolfangel warnt in ihrem neuen Kommentar
eindrücklich davor, KI-Detektoren zu
überhöhen – also Softwareprogramme, die damit
beworben werden, den Einsatz von KI eindeutig nachweisen zu können.
Mich hat ihr Text an ein Gespräch erinnert, das ich vor zwei Jahren mit einer der renommiertesten Plagiatsjägerinnen Deutschlands geführt habe: Debora Weber-Wulff.
Die Informatikerin sagte damals schon: Wer KI nutze und dies nicht offenlege, täusche über seine Autorenschaft. Gleichzeitig zeigt ihre
Forschung auch: Zwei Prozent der Texte, die sie für eine Studie analysierte,
wurden als KI-generiert gekennzeichnet, obwohl sie es nicht waren. In
einer Hochschule mit 30.000 bis 40.000 Studierenden, die jedes Semester
mindestens eine Seminararbeit einreichen, sei das sehr viel, warnte
Weber-Wulff. Und schlussfolgerte: »Eine Plagiats- oder KI-Software, die
100 Prozent richtig liegt, wird und kann es nicht geben.«
Dem entgegnet Max Spero diese Woche in der ZEIT, dass seine KI durchaus die feinen Unterschiede zwischen Texten von Menschen und denen von Maschinen erkennen könne. Spero ist Chef des US-Unternehmens Pangram, das momentan häufig genutzt wird, um Texte auf ihre Echtheit hin zu prüfen. Ich habe es selbst einmal ausprobiert, mit einem sehr kurzen Text, der nur knapp über der Mindestlänge von 50 Wörtern lag, die Pangram vorgibt. Mein erster Textentwurf kam komplett von ChatGPT. Pangram identifizierte ihn als 100 Prozent KI-generiert. Danach habe ich den Beitrag leicht
gekürzt und minimal umformuliert. Daraufhin lautete das Ergebnis: Der
Text stamme zu 100 Prozent von einem Menschen.
Das können Sie ausprobieren: eustella
Aus Wien meldet sich ein Entwicklerteam mit einem neuen KI-Assistenten, der ChatGPT und OpenClaw Konkurrenz machen soll. Der offizielle Launch erfolgt heute. Geht es nach den Gründern, soll eustella die europäische Antwort auf die KI-Entwicklungen aus den USA und China sein, aber souverän und sicher. eustella, schreiben die Macher, kann Texte und Code generieren, Agenten betreiben,
Dokumente analysieren, Bilder erstellen, recherchieren, Reisen planen,
Audio transkribieren, Musik finden – und sich alles Wichtige merken.
Einige Funktionen davon habe ich in einer kostenlosen Betaversion testen können. Gestern sollte mir eustella eine Reise zum Spiel der deutschen Nationalmannschaft heute Abend im MetLife Stadium planen und die Kosten dafür durchrechnen. Korrekterweise wies es als Erstes darauf hin, dass die Planung extrem kurzfristig sei. Dann empfahl es mir, den Newark Liberty International Airport anzusteuern und ein Hotel in Stadionnähe zu suchen. eustella schätzte, die Kosten würden sich für ein bis zwei Tage auf 1.750 bis 2.850 Euro belaufen (ohne WM-Ticket). Das entspricht ungefähr
dem, was ich gestern auf Preisvergleichsportalen für Flüge und
Hotelübernachtungen finden konnte.
Zum Schluss wollte ich von eustella
natürlich noch wissen, wer denn jetzt Weltmeister wird. Aber keine
Chance. Das wäre reine Spekulation, entgegnete der Assistent mir. Und führte
weiter aus: Ein Turnier wie die Weltmeisterschaft würde von unzähligen
unvorhersehbaren Faktoren entschieden: der Tagesform, taktischen
Nuancen, Verletzungen – »oder auch einfach nur Glück«.
