
Die israelischen Streitkräfte hätten trotz steigender Opferzahlen unter Kindern weiterhin Munition mit großer Sprengkraft und Waffen mit Flächenwirkung in dicht besiedelten Wohngebieten eingesetzt. „Dies deutet darauf hin, dass solche Angriffe, bei denen Kinder in so hoher Zahl getötet wurden, beabsichtigt waren“, befand die Kommission. Sie geht davon aus, dass Kinder kollektiv ins Visier genommen wurden, weil die israelischen Sicherheitskräfte die Zivilbevölkerung als Ganzes mit der Hamas und anderen bewaffneten Gruppen in Verbindung brächten.
Muralidhar sagte, Israel untergrabe durch das Angreifen von Kindern die Fähigkeit des palästinensischen Volkes, zu existieren und seine Zukunft zu bestimmen. Im Bericht heißt es zudem, die von Israel im Gazastreifen geschaffenen Bedingungen, einschließlich weitreichender Angriffe, wiederholter Vertreibung und Hunger durch die Blockade von Hilfe, Nahrungsmitteln und Medikamenten, schädigten die Gesundheit und Entwicklung von Kindern schwer, was zu vermeidbaren Todesfällen und Traumata führe. Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen beeinträchtigten das Überleben von Neugeborenen, so nähmen Fehlgeburten zu. Fast alle Kinder im Gazastreifen bräuchten psychologische Unterstützung.
Israel: Bericht irgnoriert brutale Taktik der Hamas
Israel wies die Darstellung, es nehme Kinder absichtlich ins Visier, „mit größter Entschiedenheit“ zurück. In einer von der israelischen Vertretung verbreiteten Erwiderung hieß es, Israel sei „stets bestrebt, den Schaden für Kinder selbst in Konfliktsituationen zu minimieren“. Der UN-Bericht ignoriere die „brutalen Taktiken der Hamas“. Zudem werde die Rolle Israels bei der Ermöglichung von Impfungen, der Einreise von medizinischem Personal und der Einrichtung von Feldlazaretten nicht erwähnt. Die Hamas, so der Vorwurf Israels, leite systematisch humanitäre Hilfe und Treibstoff für Krankenhäuser um. Die Hamas hat solche Vorwürfe zurückgewiesen.
Im Westjordanland, einschließlich Ost-Jerusalem, stellte die Kommission eine starke Zunahme der Gewalt durch israelische Siedler gegen palästinensische Kinder fest. Sie dokumentierte zudem Beweise für Folter, einschließlich sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, bei Massenverhaftungen und Inhaftierungen. Insbesondere palästinensische Jungen seien systematischer Misshandlung in Haft ausgesetzt. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass dies die Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Folter und anderer unmenschlicher Handlungen darstelle.
In der Erwiderung Israels heißt es dazu, der Bericht lasse den Kontext der „ständigen terroristischen Bedrohung“ außer Acht, auf die die israelischen Sicherheitskräfte reagierten.
Bereits in einem früheren Bericht vom September hatte die Kommission Israel Völkermord im Gazastreifen vorgeworfen und erklärt, Regierungsmitglieder und auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hätten zu diesen Taten angestiftet. Israel hatte diese Anschuldigungen damals als „skandalös“ bezeichnet.
