
Wenn der Staat 40 Prozent des Kapitals eines profitablen Industrieunternehmens erwirbt, zucken Marktwirtschaftler zusammen. Das gilt umso mehr, als der betroffene Konzern, KNDS, an die Börse strebt, Investoren Schlange stehen, Frankreich ebenfalls 40 Prozent der Anteile halten soll und der Kauf Milliarden verschlingt. Staatliche Hilfe braucht Europas führender Panzerhersteller eigentlich nicht. Er wird solide geführt und sitzt auf Rekordaufträgen im Wert von rund 33 Milliarden Euro. Das ist fast das Achtfache seines Jahresumsatzes.
Industriepolitisch ist die Entscheidung der Bundesregierung gleichwohl richtig, die KNDS-Anteile der deutschen Wegmann-Familie zu kaufen. Die Rüstungsindustrie ist kein Wirtschaftszweig wie jeder andere. Die Staaten sind in aller Regel die einzigen Kunden und reden aus guten Gründen mit, wer was produziert und an wen verkauft. Frankreich hält deshalb seit jeher substanzielle Anteile an Rüstungsunternehmen – und will das bei KNDS auch weiter tun. So hätte ohne deutschen Staatseinstieg ein Szenario gedroht, in dem mit den Panzermodellen Boxer und Leopard 2 die Bestseller des Konzerns aus Deutschland kommen, der französische Staat dem Konzern aber mehr und mehr seine Interessen diktiert. Know-how wäre auf die andere Rheinseite gewandert. Das kann nicht im deutschen Interesse sein.
Was das Beispiel Airbus lehrt
Ist der Politik am weiteren wirtschaftlichen Erfolg von KNDS gelegen, sind die 80 Prozent Staatsanteil jedoch nichts weiter als ein kurzer Zwischenschritt. Die Wirtschaftsgeschichte lehrt nicht, dass Politiker und Beamte allzu gute Unternehmer sind, auch nicht in der Rüstungsindustrie. Vielmehr zeigt Airbus, wie wichtig nach Jahren der industriepolitischen Reibereien der weitgehende Rückzug der Staaten war. Erst diese privatwirtschaftliche Autonomie ebnete den Aufstieg des europäischen Musterkonzerns zum Weltmarktführer.
Zeitgleich mit dem Staatseinstieg bei KNDS sollte der Ausstieg vorbereitet werden. Wichtiger als industriepolitisches Mikromanagement sind die Standardisierung von Rüstungsgütern und die Harmonisierung militärischer Anforderungen. Davon hätten alle was – die Industrie, die Streitkräfte und der Steuerzahler.
