
Die künftige europäische Leitmesse der europäischen Fahrradindustrie soll im September 2027 in Köln stattfinden. Mit dieser Ankündigung des Verbandes der deutschen Fahrradindustrie (ZIV) wird indirekt auch die diesjährige Fahrradmesse Eurobike für obsolet erklärt. Die Eurobike, die am Mittwoch in Frankfurt offiziell eröffnet wird, zählt in diesem Jahr nur noch halb so viele Aussteller wie im Vorjahr, nur noch 785 für 2026 nach 1500 im Jahr 2025.
Die Enttäuschungen über die Besucherzahlen vor einem Jahr führten dazu, dass viele deutsche und europäische Hersteller und Zulieferer in diesem Jahr nicht mehr nach Frankfurt kommen. Der Verband ZIV kündigte den Kooperationsvertrag mit der Messe Eurobike, die von einem Gemeinschaftsunternehmen der Messen Friedrichshafen (51 Prozent Anteil) und Frankfurt (49 Prozent) veranstaltet wird. Dieser Messeveranstalter hat daraufhin verschiedene Klagen gegen den Zweirad-Industrie-Verband erhoben.
Die Industrie hält die Markenrechte an der künftigen Messe
Unbeeindruckt davon präsentierte nun der ZIV sein eigenes Zukunftskonzept einer Weltleitmesse für den Fahrradmarkt. Nachdem es vielerlei Gerüchte über künftige Standorte oder eine eventuelle Kooperation mit der Mobilitätsmesse IAA der Autobranche gegeben hatte, überraschte der Zweirad-Industrie-Verband damit, dass bereits viele Details ausgehandelt wurden. Dazu gehört eine direkte Beteiligung des ZIV an der Organisation der Messe.
Zwar ist die Messe Köln der Organisator der Veranstaltung unter dem Motto „Towards Tomorrow“ – „Richtung Morgen“. Der ZIV ist aber in Köln nicht nur Branchenpartner, sondern auch Inhaber der Markenrechte der Marke, im Gegensatz zu den Umständen der Eurobike. Die künftige Messe wird von einer Messeorganisatorin der Kölner Messegesellschaft und einer Vertreterin des Fahrradindustrieverbandes ZIV geleitet. Ein derartiges Organigramm hatten offenbar die Veranstalter der Eurobike schon im vergangenen Jahr abgelehnt.
Die neue Fahrradmesse soll künftig nur drei Tage dauern und nur für das professionelle Publikum geöffnet sein. Damit soll sie ohne die öffentlichen Besuchertage auskommen, wie sie in Frankfurt auf der Eurobike geboten werden. Der Termin im September kommt dem Handel entgegen, der dann seine Bestellungen für die folgende Fahrradsaison aufgeben kann. Die Zeiten, als die Bestellungen hauptsächlich bei einer Messe getätigt wurden, seien vorbei, sagte ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork. Es werde auch weiterhin Hausmessen der großen Anbieter geben. Die Messe liege aber am Ende des Zeitfensterns für die Bestellungen zum Folgejahr. Die drei wichtigen deutschen Handelsverbände hätten ihre Unterstützung schon zugesagt.
Schwere Vorwürfe gegenüber der Eurobike
„Die Rückmeldungen der Mitgliedsunternehmen besagten, dass wir einen starken gemeinsamen Marktplatz brauchen, eine Veranstaltung, mit der innerhalb der Branche und anderen Beteiligten ein intensiver Austausch möglich ist, wo wir uns alle wohlfühlen. Nötig ist dazu eine globale Leitmesse“, sagte Bernhard Lange, Ko-Vorsitzender des ZIV. Diese Messe müsse in Deutschland stattfinden, dem stärksten Zweiradmarkt der Welt.
„Wir haben in der Vergangenheit erlebt, dass sich nicht nur unsere Branche, sondern auch die globale wirtschaftliche Situation immer dynamischer ändert. Wir haben leider auch erlebt, was passiert, wenn Messen nicht proaktiv auf diese Veränderungen reagieren und dabei intensiv mit der Branche zusammenarbeiten, sondern sich von unserem Markt und unserem Produkt Fahrrad regelrecht entfremden“, sagte Lange und erhob damit schwere Vorwürfe in Richtung der Organisatoren der Eurobike. Der Zweirad-Industrie-Verband habe daher entschieden, die Zügel in die Hand zu nehmen. Dies geschehe mit Partnern, die die zentralen Angebote für den gemeinsamen Marktplatz weiterentwickelten und förderten, so wie es die Zweiradindustrie als Branche brauche.
Die künftige Messe solle nicht nur Hallen füllen, sie solle auch eine Plattform sein, die nicht nur starke Marken zeigen, sondern auch den Handel einbinden könne. Sie werde ein klares inhaltliches Profil haben, heißt es von der Messe Köln. Es gehe darum, einen Markenmix auf deutscher, europäischer und globaler Ebene zu schaffen.
Dieses Ziel scheint die nun beginnende Eurobike in Frankfurt zuletzt nicht mehr erreicht zu haben. Nach 1500 Ausstellern für 2025 gibt es in diesem Jahr insgesamt nur noch 785 Aussteller. Nach dem Überblick der Messe Frankfurt kommen davon 293 aus China und nur 146 aus Deutschland. Die asiatischen Anbieter, 460 an der Zahl, sind dabei weitaus mehr als diejenigen aus der gesamten EU. Die ist bei der Eurobike nur mit 282 Ausstellern vertreten.
