
Im Herbst geht Hessens dienstältester Oberbürgermeister in den Ruhestand und soll dann eine selten vergebene Auszeichnung erhalten: Claus Kaminsky wird das Ehrenbürgerrecht seiner Heimatstadt erhalten. Das haben am Montag die Stadtverordneten einstimmig beschlossen, den gemeinsamen Antrag hatten alle Fraktionen und Einzelabgeordnete mit Ausnahme der AfD vorgelegt. Der Sozialdemokrat wird der zehnte Träger dieser Würde in der Stadt, zuletzt war diese Ehre 2002 an den Fußballer Rudolf Völler vergeben worden.
Im Antrag wird auf die ungewöhnlich lange Amtszeit des 1959 geborenen Politikers verwiesen: In den hauptamtlichen Magistrat zog er 1995 als Bürgermeister ein, 2003 setzte er sich in der Direktwahl des Oberbürgermeisters durch. In dieser Zeit habe Kaminsky Hanau geprägt wie kaum ein anderer der jüngeren Stadtgeschichte. Im Antrag werden unter anderem der Umbau der Hanauer Innenstadt und die Programme zu ihrer Belebung genannt. Auch auf die Konversion der Flächen, die zuvor von der US-Armee geräumt wurden, wird als ein weiteres wichtiges Projekt in seiner Amtszeit verwiesen. Schließlich habe er es zum Ende seiner Amtszeit erreicht, dass Hanau wieder eine kreisfreie Stadt geworden sei.
Krisenmanager nach dem Attentat von Hanau
Besonderes Gewicht wird in der Antragsbegründung auf die Fähigkeiten des Politikers als Krisenmanager und Brückenbauer gelegt. Nach dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar 2020, bei dem ein Deutscher zunächst neun Menschen mit Migrationshintergrund, dann seine Mutter und schließlich sich selbst erschossen hatte, stand Claus Kaminsky als Stadtoberhaupt für Mitgefühl, den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft und sei gegen Hass und Rassismus eingetreten.
Zu den bisherigen Ehrenbürgern Hanaus zählen der Industrielle Wilhelm Carl Heraeus, Reinhard Scheer, der als Admiral im Ersten Weltkrieg die deutsche Hochseeflotte in der Skagerrakschlacht befehligte, und eben auch Rudolf Völler. Kaminsky wird der vierte Oberbürgermeister, der mit dem Ehrenbürgerrecht ausgezeichnet wird. Einem Politiker haben die Hanauer Stadtverordneten diese Würde wieder entzogen: Wie viele Städte hatte auch Hanau Adolf Hitler zum Ehrenbürger ernannt. Die erste gewählte Stadtverordnetenversammlung nach dem Zweiten Weltkrieg erkannte ihm die Würde 1946 wieder ab.
