
Amerikas Technologiebörse Nasdaq feiert fast täglich Rekorde, und die alten Aktienindizes Dow Jones und S&P 500 stehen dem kaum nach. Selbst der Dax hat sich des deutschen Mehltaus entledigt und blickt auf viereinhalb fast störungsfreie Jahre am Aktienmarkt zurück.
Krieg in der Ukraine, Krieg in Iran, Sperrung der Straße von Hormus, mehr handelshemmende Zölle – wenn all das die Aktienmärkte nicht in die Knie zwingen kann, dann sind sie wohl unverwundbar.
Es fehlt an einem guten Erwartungsmanagement
Diese Diskussion wird immer häufiger auch aus großen Banken und Fondsgesellschaften kolportiert. Können Aktienkurse überhaupt noch fallen? Selbst die Bundesregierung hat sich einen Ruck gegeben, das ursprünglich von der FDP angestoßene Projekt einer auf Aktien basierenden Altersvorsorge für förderungswürdig zu erachten, und setzt es unter dem Namen „Altersvorsorgedepot“ von Januar 2027 an ins Werk. Damit können künftig auch ohne Netz und doppelten Boden klassische Aktien-ETFs staatlich gefördert werden für die Altersvorsorge, ohne dass daraus lebenslang zugesicherte Renten entspringen müssen.
Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Das ist gut so, das war überfällig und ist international längst üblich, um größere Teile der Bevölkerung in den Genuss der gegenüber bloßem Zinssparen höheren Aktienrenditen zu bringen.
Es bedarf aber eines guten Erwartungsmanagements. Als Schauspieler Manfred Krug mit der Telekom „Ich wär so gerne Aktionär“ im Duktus des Möchtegernmillionärsliedes der Prinzen intonierte und zum Kauf der „Volksaktie“ Telekom animierte, war dies das Gegenteil guten Erwartungsmanagements. Dreißig Jahre ist das her, und eine Generation dauerte es, um den Schaden der falschen Erwartungshaltung und seiner Folgen unter deutschen Privatanlegern einigermaßen in Vergessenheit geraten zu lassen.
ETF-Investments sind klüger als Einzelaktien
Der riskante Kauf einer Einzelaktie führt eben nicht geradewegs zum Millionärsdasein. Nicht bei der Telekom und nicht bei SpaceX. Es gibt wenige Handvoll Beispiele an Aktien, mit denen man (unter Einhaltung einiger Nebenbedingungen) wirklich hätte reich werden können – unter Tausenden Aktien an den Weltbörsen.
Die aktuelle Aktionärsgeneration ist klüger als ihre Vorgänger vor dreißig Jahren. ETF ist das Zauberwort dieser Zeit, börsengehandelte Indexfonds, die fast ohne Kosten breit gestreut die globalen Aktienmärkte ins Depot holen.
Genau diese ETF sind es, die nun die Diskussion um die Unverwundbarkeit der Aktienmärkte befeuern. Millionen ETF-Sparpläne allein in Deutschland schaufeln Monat für Monat neues Geld in die Aktienmärkte. Der Trend ist ein globales Phänomen. Und diesen quasi garantierten Mittelzufluss unterstellend, gilt es geradezu als dumm, nicht mit dieser Masse zu schwimmen.
Tatsächlich haben viereinhalb Jahre mit allenfalls sehr kurzen Aktienrücksetzern die Überzeugung reifen lassen, es geht immer weiter nur bergauf mit den Kursen. Das ist historisch durchaus richtig. Der Aktientrend ist ein steigender, weil er sich an Wohlstandsgewinnen der Weltwirtschaft orientiert. Und diese Wohlstandsgewinne gab es seit Jahrzehnten, die gibt es auch heute, selbst wenn in Deutschland die Wirtschaft seit vier Jahren stagniert.
Der Hund ist unruhiger als das Herrchen
An den Aktienmärkten gibt es das Bild von Hund und Herrchen. Das Herrchen ist die Weltwirtschaft, der globale Wachstumstrend, der sich alles in allem einigermaßen stabil nach vorne bewegt. Die Aktienmärkte sind indes der Hund, der mal euphorisch nach vorne läuft und an der Leine zieht und mal zurückbleibt. Er ist unruhiger als das gemessenen Schrittes gehende Herrchen.
Und so lässt sich zwar eine langfristige Aktienrendite von acht Prozent im Jahr ermitteln, aber unter erheblichen Schwankungen. Zuletzt gab es dreimal in Folge ein Jahresplus von rund zwanzig Prozent im Dax. Deswegen muss nun nicht wieder ein Minus folgen wie 2022, 2018 oder 2011. Es wäre aber fatal, wenn die Politik auch nach den Vorschlägen der Rentenkommission in der kommenden Woche nun den Eindruck erweckt, die Aktienmärkte seien das risikofreie Allheilmittel bei den Themen Rente und Altersvorsorge.
Sie sind ein wichtiger Baustein, der viel zu lange politisch außer Acht gelassen wurde. Bei aller ETF-Euphorie sollte aber nicht vergessen werden: Ein Vorteil der ETF-Sparpläne ist ihre Flexibilität. Jeder Sparplan kann sofort in dieser Sekunde beendet werden. Aus dem ETF-Portfolio kann jederzeit das Kapital entnommen werden. Der Härtetest, wie entspannt die ETF-Sparer auf einen wirklichen Rückschlag an den Aktienmärkten reagieren, der steht noch aus.
