Mal eine halbe oder gar eine ganze Stunde nach oben zu schauen, schon dafür lohnt es sich. Den Kopf für eine Weile nicht in der kollektiv eingeübten digitalen Demut über den Bildschirm zu beugen, sondern den Blick in die Höhe zu richten, das allein ist eine befreiende Erfahrung. Erst recht, wenn man mit ein paar Dutzend anderen Menschen in einem riesigen, kreisrunden Kuppelsaal sitzt und wie in einer Kommunion der Kunst gemeinsam, schweigend und staunend himmelwärts auf ein Wunder blickt.
Im dänischen Aarhus hat der Künstler und Lichtmagier James Turrell (83) mit den Architekten Schmidt Hammer Lassen im Aros Museum einen seiner berühmten Skyspaces gebaut. Es ist der hundertste und der größte, der je für ein Museum entstand. Die Skyspaces sind minimalistische Lichtsäle, meist rund, mit einer Kuppel und einem Loch darin, wie im Pantheon in Rom. Überhaupt gleichen sie spirituellen Räumen, aber das himmlische Licht, das hier geheiligt wird, ist nicht Ausdruck und Metapher eines oder vieler Götter. Es ist selbst göttlich. Durch das Loch in der Decke sieht man den Himmel, doch weil er gerahmt ist, erscheint er nicht unendlich groß und unendlich weit, sondern ganz nah, wie ein lichter Deckel auf dem Gebäude, wie ein runder Farbkreis in einem abstrakten Gemälde. Aber auch: wie eine Öffnung in ein opakes, erhabenes Größeres.
