Zum 35. Jahrestag des Nachbarschaftsvertrags hat Deutschland verschiedene Kulturartefakte an Polen zurückgegeben, die die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg geraubt hatten. »Die Rückgabe ist Ausdruck von gegenseitigem Respekt, bleibender deutscher Verantwortung und unserer vertrauensvollen Partnerschaft«, teilte Außenminister Johann Wadephul (CDU) beim Deutsch-Polnischen Forum in Berlin mit. Auch sein polnischer Amtskollege Radosław Sikorski war zu diesem Anlass angereist.
Unter den Gegenständen befinden sich ein Ring aus dem 16. Jahrhundert,
Eisenbahn-Miniaturen und eine mittelalterliche Handschrift. Die aus sechs Pergamentblättern bestehende Handschrift enthält einen Teil des Textes der polnischen Hymne »Gaude Mater Polonia«. Das Heft sei auf bisher unbekanntem Weg in die Staatsbibliothek zu Berlin gelangt, teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit.
Die Handschrift lagerte dort bislang als Fremdbesitz. Sie stammt ursprünglich aus der Bibliothek des Priesterseminars in der polnischen Stadt Plock. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Bestände der Bibliothek weitestgehend geplündert und zerstört. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) bezeichnete die Mittelalterschrift als »eines der ältesten Werke religiöser Dichtung« Polens und sprach von einer wichtigen Geste der Anerkennung historischen Unrechts.
Deutsche Truppen raubten Goldring
Auch ein Goldring aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde zurückgegeben, der dem polnischen König Sigismund I. zugeschrieben wird. Seit 1963 verwahrte das Schmuckmuseum Pforzheim den mit Diamanten verzierten Ring. Vermutungen zufolge raubten deutsche Truppen im September 1939 das Objekt aus einer polnischen Sammlung.
Polen erhielt außerdem elf Objekte aus den Beständen des Bundeseisenbahnvermögens zurück, die ursprünglich zu der Sammlung des Verkehrsmuseums Warschau gehörten. Das Bundesverkehrsministerium übergab die Modelleisenbahnen samt Zubehör, die vor dem NS-Raub bis 1940 in Warschau ausgestellt waren.
Zuvor hatte Deutschland bereits die sogenannten Deutschordensurkunden sowie einen Skulpturenkopf der Marienburg an Polen zurückgegeben. Eine vom Auswärtigen Amt geführte deutsch-polnische Arbeitsgruppe bearbeitet laufend Rückgabefälle.
