
Großbritannien folgt dem Vorbild Australiens und will die Nutzung zahlreicher sozialer Netzwerke für Jugendliche unter 16 Jahren sperren. Premierminister Keir Starmer kündigte am Montag eine entsprechende Gesetzgebung an, die „Kindern ihre Kindheit zurückgeben“ und noch weitere Beschränkungen enthalten soll. Starmer sagte, die gesetzlichen Regelungen sollten bis zum Jahresende vom Parlament beschlossen werden und möglichst im Frühling nächsten Jahres in Kraft treten.
Zu den Kanälen, deren Nutzung mit einer Altersbeschränkung versehen wird, sollen unter anderem Tiktok, Youtube, Snapchat, Instagram, Facebook und X gehören, nicht aber die Nachrichtenplattformen Whatsapp und Signal. Die für Technologie und Forschung zuständige Ministerin Liz Kendall sagte am Montag, die Konzerne hinter den Internetmedien hätten „zahllose Möglichkeiten“ gehabt, den Schutz von Kindern auf ihren Onlineseiten zu sichern, sie hätten „es aber versäumt, zu handeln“. Deswegen nehme die Regierung nun „den Technologiegiganten die Macht weg“ und lege sie „zurück in die Hände der Eltern“.
Amerikanische Botschaft warnt vor Verbot
In einer Mitteilung der britischen Regierung heißt es, sie folge dem Modell Australiens. Es würden darüber hinaus weitere Schritte in Aussicht genommen. So sollten für Jugendliche schädliche Seiten und Funktionen, etwa bestimmte Onlinespiele oder der Austausch mit Unbekannten, blockiert werden können.
Überdies werde geprüft, bestimmte Beschränkungen auf die Siebzehn- und Achtzehnjährigen auszudehnen. Gedacht sei an nächtliche Zugangssperren oder an zwangsweise Unterbrechungen beim Scrollen von Inhalten. Auch der Zugang zu bestimmten Chatbots soll erst vom 18. Lebensjahr an erlaubt sein.
Die britischen Pläne folgen einer öffentlichen Anhörung, bei der 90 Prozent der befragten Eltern eine generelle Zugangsbeschränkung befürworteten. Zu denen, die vor allgemeinen Einschränkungen warnten, zählte die amerikanische Botschaft in einer eigenen Stellungnahme. Sie wandte sich gegen „pauschale Beschränkungen“ und äußerte, die beste Antwort auf technologische Probleme seien immer „bessere Technologien“.
„Neue Normalität für künftige Generationen“
Premierminister Starmer beteuerte hingegen, das Vereinigte Königreich werde mit seinen Maßnahmen „weiter gehen als jeder andere Staat auf der Welt“. Es gehe darum, „eine Linie in den Sand zu ziehen“. Starmer sagte: „Die Technologiegiganten hatten ihre Chance, doch sie scheiterten. Nun werden wir aktiv, um Kinder zu schützen, Eltern zu stützen und eine neue Normalität für künftige Generationen zu schaffen.“
Die konservative Oppositionsführerin Kemi Badenoch nannte die geplanten Zugangsbeschränkungen eine „phantastische Nachricht“ und einen „wichtigen Schritt, um Eltern dabei zu helfen, die Kindheit ihrer Kinder zu schützen“. Der Parteichef der rechtspopulistischen Reform UK, Nigel Farage, gab hingegen an, die geplanten Beschränkungen seien „gut gemeint“, würden aber kaum funktionieren. Die vorgesehenen Techniken zur Altersüberprüfung beim Zugang zu beschränkten Seiten stellten „die Einführung eines digitalen Personalausweises durch die Hintertür“ dar.
