Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist fast schon ein Bekannter von ihm. Das Staatsoberhaupt traf Leon Pelikan zuletzt bei der Verleihung des Jugenddemokratiepreises der Bundeszentrale für politische Bildung. Der 20 Jahre alte Jungunternehmer hielt dort die Laudatio. Der junge Mittelhesse hat das kurze Treffen mit Steinmeier, der einst an der Gießener Universität arbeitete und in der Uni-Stadt noch Freunde hat, auf seinem Instagram-Kanal verewigt.
Leon Pelikan setzt sich für die Belange von Jugendlichen ein und will ihnen umgekehrt Politik nahebringen. Zu diesem Zweck hat er die Demokratie-App „Political X Change“ entwickelt. Malte Josua Stoll, Anton Widmann, Lisa Kabeck und Ben Siebert, vier andere junge Mittelhessen, haben ihm dabei geholfen. An diesem Montag stellt Pelikan die Plattform in Lich öffentlich vor. Dort werden Jugendliche sie an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule zudem erstmals anwenden können. Es wird einen Workshop mit fünf Klassen der Gesamtschule geben, wie Pelikan bei einem Treffen in Gießen berichtet.
„Viele junge Leute sind politisch nicht aufgeklärt“
Aus seiner Sicht kommt politische Bildung an den Schulen hierzulande zu kurz. Dies gelte besonders für berufliche Schulen. Seine Internet-App soll das ändern und auch ein Gegengewicht zu Social-Media-Plattformen wie Instagram und Tiktok bilden, auf denen Parteien ungefiltert ihre Sicht der Dinge ausbreiten. Gerade junge Leute müssten politisch aufgeklärt werden, „denn das sind viele nicht“. Die App bietet unter dem Motto „Deine Stadt, Deine Stimme“ unter anderem Chatforen, in denen Jugendliche sich direkt mit Lokalpolitikern austauschen können. Es gibt das sogenannte Newsforum mit allerlei Neuigkeiten aus der jeweiligen Stadt oder Gemeinde. Das können Beschlüsse von Magistrat und Stadtverordneten ebenso sein wie Termine, Vorhaben oder auch Wahlergebnisse. Wie in sozialen Medien sind Likes möglich. Mit Emojis wie Herz, Daumen, Glühbirne, Popcorn oder auch einem Pelikan.
Nutzer können in einem Diskussionsforum eigene Beiträge schreiben, andere können darauf antworten. Was besonders viele Menschen in dem Forum bewegt, wird als „Trendiges Thema“ hervorgehoben. Auf der Plattform findet sich auch ein selbst entwickelter Kommunal-O-Mat. Dabei geht es um alle möglichen Fragen zu Themen am Ort, von Grillplatz bis Sportplatz, von Schule bis Verkehr, wie Pelikan erläutert. Zudem können Nutzer herausfinden, welche örtliche Partei oder Wählergruppierung am besten zur eigenen Überzeugung passt. Es gehe darum zu zeigen, dass Kommunalpolitik nicht langweilig sei und Jugendliche durch eigenes Tun ihre Selbstwirksamkeit erleben könnten.

In Lich hat Pelikan eine Reihe von Stadtverordneten als Mentoren für Jugendliche gewonnen, wie er sagt. Auch arbeite er mit der Kreisschülervertretung und mit der Beauftragten des Landes für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zusammen. Allerdings schließe die Plattform die Werbung von und für Parteien aus, auch könnten dort keine politischen Veranstaltungen angekündigt werden. Aktionen von Schülern dagegen sehr wohl. Schließlich sollten diese mehr Aufmerksamkeit bekommen.
Auf der Plattform bekommt jede Kommune ihre eigene Internetseite mit den verschiedenen Modulen. Unentgeltlich gibt es dies aber nicht. Pelikan berechnet etwa 400 Euro je Ort im Monat, abhängig von der Zahl der teilnehmenden Schulen. Diese Gebühr werde entweder von der Kommune gezahlt, oder das Geld komme aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“, zumal es digitaler ausgerichtet werden solle.
Beim Hessischen Gründerpreis unter den besten vier
Schon vor der Markteinführung ist der junge Mann mit seiner Plattform bei Wettbewerben erfolgreich gewesen. Vor zwei Jahren wurde er Dritter im Bundesfinale von „Jugend gründet“, den gleichen Platz errang er in dem Start-up-Teens-Challenge genannten Businessplan-Wettbewerb für Schüler, beim Hessischen Gründerpreis schaffte er es unter die besten vier. Und im vergangenen Jahr ehrte ihn die Stiftung des Allianz-Konzerns mit dem „Movers of Tomorrow Award“.
Dabei hatte er einen holprigen Start hingelegt. Als Oberstufenschüler wurde er mit seiner Idee beim Gründerwettbewerb an seiner Schule in Wetzlar nur Letzter, wie er lachend berichtet. Doch schon eine Woche später schaffte er es auf Platz drei beim Start-up-Weekend Mittelhessen, einem sich über 54 Stunden erstreckenden Treffen, um Geschäftsideen zu entwickeln. „Da habe ich gemerkt: Jetzt geht’s los, jetzt kann ich was umsetzen“, sagt er rückblickend. Das war 2023. Neben der Schule arbeitete er an der Start-up-Gründung. Mit dem Schulleiter habe er viel über Fehlstunden reden müssen – „ich war bei 180“. Mittlerweile coache er Jugendliche an seiner ehemaligen Schule.
Mit seiner Plattform will Pelikan nach eigenem Bekunden „in der Gesellschaft etwas zum Guten verändern“. Er selbst hat als Schüler in der Mittelstufe einige schlechte Erfahrungen mit Mobbing gemacht. „Das war der Impuls zur Gründung meines Start-ups“, sagt er. Zumal er als Schülervertreter gemerkt habe, wie selten die Stimmen von Jugendlichen in der Politik gehört würden. Dies gelte auch für die Politik am jeweiligen Wohnort, an dem Demokratie als lebendig erlebt werde oder eben nicht. In Lich sollen fünf zehnte Klassen an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule die Plattform mit Leben füllen.
